Die Warte des Tempels
Monatsschrift für offenes Christentum

Ausgabe 178/9 - September 2022

 

 

Liebet eure Feinde! - Ulrich von Hasselbach

Um Vergebung bitten - Wolfgang Blaich

Nabots Weinberg - einst und jetzt - Jörg Klingbeil

Droht uns ein hybrider Weltkrieg? - Paul Pankratz

Ökumene-Gipfel in Karlsruhe - Jörg Klingbeil

Danke für deine Zeit - Renate Beilharz

»Ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott« - Jörg Klingbeil

Liebet eure Feinde!

Es gibt in der Bibel ärgerliche Stellen. Im Alten Testament entsprechen weite Abschnitte einer seit langem überwundenen Stufe religionsgeschichtlicher Entwicklung, und auch im Neuen Testament ist einiges von einem Weltverständnis geprägt, das wir nicht mehr zu teilen ver­mögen. Wir können uns dann innerlich distanzieren, weil jene zeitbedingten Züge das Eigent­liche, das, worauf es ankommt, kaum berühren.

Wie aber ist es, wenn wir es mit Jesus selbst zu tun haben? Wenn uns also Worte begeg­nen, die zweifellos auf ihn selbst zurückgehen, so dass wir nicht ausweichen können, die uns aber trotzdem ärgerlich erscheinen, weil wir nicht damit fertig werden? Dazu gehören wohl deutlich die Worte der Bergpredigt vom Hinhalten der anderen Wange und von der Fein­des­liebe. Mancher würde diese Worte am liebsten ausklammern oder streichen: Es wird ja auch selten genug darüber gepredigt. Wir wollen zwar Christen sein; wir wollen durchaus bemüht bleiben, Jesus in unserem Leben nachzufolgen; aber darf das so weit gehen? Wo kommen wir hin, wenn wir uns alles gefallen lassen? Und den Feind lieben, kann man das wirklich von uns verlangen? Ist das nicht einfach unmöglich, unvollziehbar? Hat Jesus hier die Dinge über­spitzt? Ist es so, dass wir ihm hier nicht mehr folgen können?

Viele denken so. Und es ist im Grunde auch zu verstehen, dass sie so denken. Dem Übel nicht widerstehen, sich nicht sichern, sich nicht verteidigen, sich wehrlos preisgeben, dem Un­rechten, dem Bösen freie Bahn lassen, muss das nicht zum Chaos führen? Und den Feind lieben ist das nicht so unnatürlich, so gezwungen, dass sich alles in uns dagegen sträubt? Sollen denn wirklich die Unterdrückten ihre Unterdrücker oder die Gefolterten diejenigen lieben, die sie quälen? Sollten Eltern eines grausam getöteten Kindes den lieben, der es getan hat? Oder, um ein scheinbar harmloseres Beispiel zu nennen: sollte ein körperlich oder geistig benachteiligtes Kind die Mitschüler lieben, die es ständig auslachen und demütigen? Hat Je­sus hier nicht Unmögliches verlangt? Auch mit der anderen Weisung, sich nicht zu wehren und nicht zurückzuschlagen. Also sich nicht selbst zu behaupten, sondern sich zu fügen und zu dulden.

Gerade in neuerer Zeit haben Erkenntnisse der psychologischen Forschung deutlich ge­macht, wie leicht menschliche Beziehungen gerade daran scheitern können, dass der eine sich dem anderen willenlos unterordnet. Solche Selbstpreisgabe führt nämlich auf dem Weg über das Unterbewusste zu einer Verfinsterung, die dann gerade böse Regungen und Ver­haltensweisen auslöst: Deshalb wird auch Kindern geraten, sich zur Wehr zu setzen, wenn sie angegriffen werden, etwa von Spielgefährten oder Mitschülern; damit sich nicht in ihnen ein verhängnisvoller Minderwertigkeitskomplex bildet, der dann eben wieder Dunkles und Böses auslöst.

Hat Jesus also einen psychologisch falschen Rat erteilt? Es scheint so. Aber es scheint nur so. Und wir kommen so leicht nicht um seine Forderung herum. Es handelt sich übrigens um zwei Weisungen, die wir nicht einfach durcheinander bringen sollten. Bei der einen geht es um ein bestimmtes Verhalten und bei der anderen um eine Gesinnung. Vielleicht sind auch beide ursprünglich in verschiedenen Zusammenhängen gesprochen worden; die Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums ist ja eine Zusammenstellung verschiedenster Überlieferungsstücke, die schon beim Evangelisten Lukas in anderer Einordnung zu finden sind.

Befassen wir uns zunächst mit der Forderung, auch die andere Wange hinzuhalten und nicht zurückzuschlagen. Diese Weisung besagt ganz offenbar nicht, dass wir einfach alles ge­schehen lassen sollen. Wir sollen vielmehr etwas tun, und zwar, das kann man gar nicht an­ders nennen, in provozierender Weise etwas tun. Der andere erwartet ja, dass wir zurück­schlagen, oder dass wir uns mindestens wehren; er will ja gegen unseren Widerstand ge­winnen. Dann wäre er befriedigt; und diese Befriedigung, dieses Gefühl des Sieges, nehmen wir ihm durch das Hinhalten der anderen Wange. Er wird zumindest verwirrt werden, und er wird mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht weiter zuschlagen.

Die Weisung Jesu lässt sich in vielen Situationen praktizieren. Das Nichtzurückschlagen, das Nicht-heimzahlen, der Verzicht auf die Vergeltung, ist oft einfach das Vernünftige. Man kommt weiter damit. Zum Beispiel in so konkreten Situationen wie bei nachbarlichen Kon­flikten. Jesus macht hier deutlich, wie es auch geht, wie es in vielen Fällen auch geht und dann auch sehr viel sinnvoller ist.

Was aber Jesus vor allem angreift, das ist das Behagen an der Vergeltung, also die Genug­tuung darüber, dass jetzt der andere auch leidet. Das kommt ja doch zum Ausdruck in dem bösen Wort: »Auge um Auge, Zahn um Zahn«, viel mehr als ein vermeintliches Gerechtigkeits­bedürfnis. Aber Rachelust gegenüber dem Bösen macht selbst böse. Sie löst nämlich ge­fährliche Regungen aus, die keimhaft in uns allen ruhen und die wir lieber nicht wachrufen sollten, nämlich die Lust am Zufügen von Qualen, an Demütigungen, wenn nicht gar auch am Töten und an der Gewalt.

Jesus meint: mach es doch einmal anders! Du kannst dich auch ohne Heimzahlen behaup­ten. Halte die andere Wange hin! Es ist natürlich ein Bild, mit dem er hier spricht. Und er hat ganz sicher nicht ein Generalrezept für alle Lebenssituationen geben wollen; an die Abwehr brutaler Gewalt, an die Sicherung der Rechtsordnung und den Schutz des Einzelnen durch diese Rechtsordnung hat er sicher nicht gedacht und schon gar nicht etwa an die Kapitulation eines Gemeinwesens vor böswilliger gewaltsamer Bedrohung. Ein solches Problem hat sich ihm damals kaum gestellt.

Er hat auf der anderen Seite sehr genau gewusst, dass es im menschlichen Zusammenle­ben Feinde gibt und immer geben wird. Feinde und Feindschaften. Er sagt ja nicht etwa, dass man alle Feindschaften im menschlichen Zusammenleben aufheben könne, und er hat schon gar nicht gesagt: habt keine Feinde! Ein Mensch, der keine Feinde hat, ist oft von einer sehr fragwürdigen charakterlichen Qualität. Er hat etwas ganz anderes gesagt, nämlich: Liebet eure Feinde! Also die, die eure Feinde sind und wohl auch bleiben werden. Auch hier geht er wieder von einer älteren Weisung aus, mit der er sich auseinandersetzt, nämlich von der billigen Regel: du sollst deinen Freund lieben und deinen Feind hassen.

Und der Hass ist es, den er bekämpfen und überwinden will. Dass wir vom Hass frei blei­ben, auch wo wir Feinde haben, darum geht es. Bleibt auch in der Auseinandersetzung mit euren Feinden in der Grundgesinnung der Liebe! Ob ihr in dieser Grundgesinnung bleibt, das könnt ihr selbst sehr genau daran prüfen, ob ihr euch in der Lage fühlt, für diejenigen Segen zu erbitten, die euch fluchen, die euch beleidigen und verfolgen.

Auch der Böseste, auch der Niederträchtigste, der Kälteste und Abgefeimteste, auch der Kindermörder, ist unser Mitmensch. Dass wir solche Leute gernhaben, hat Jesus nicht ver­langt. Aber dass wir sie nicht ausstoßen und dass wir sie nicht hassen.

Es ist uns heute in mancher Weise leichter gemacht, zu verstehen, was Jesus meint. Und zwar weil wissenschaftlich erkannt wurde, dass es in jedem Menschen die unheimlichsten und dunkelsten Möglichkeiten gibt, die keimhaft in ihm gegeben sind. Also auch in uns, in uns allen. Und wenn wir noch so sehr das Gute und Helle lieben, die Schatten sind in uns da. Und zu unterscheiden ist nicht einfach zwischen den guten Menschen hier und den bösen dort, sondern zu unterscheiden ist, in welchem Maße das eine oder andere Oberhand gewonnen hat in einem Menschen, Licht oder Schatten, Gutes oder Böses. Wir alle haben alles in uns. Und ist es nicht im Grunde nur der Anlass für eine ganz große Dankbarkeit, wenn die Schatten nicht die Oberhand in uns erlangt haben, wie vielleicht bei manchen anderen?

Natürlich kann niemand aus der Verantwortung für sich selbst entlassen werden, und Unrecht und Schuld kann man nicht einfach wegreden. Aber wie groß sind auch die Einflüsse der Umwelt, der Erziehung und der erfahrenen Schicksale auf einen Menschen! Wissen wir denn, wie es in einem Verbrecher ausgesehen hat, als er seine Untat beging? Wissen wir, wie es vorher in ihm ausgesehen hat? Und wissen wir, wie wir uns in einer entsprechenden Situation verhalten hätten, wenn wir die gleichen Einflüsse und Schicksale erfahren hätten wie der andere? Liebet eure Feinde, das heißt, seht auch im Feind, seht auch in dem, der euch böse erscheinen mag, den Mitmenschen! Gebt keinen auf! Und wenn er noch so sehr dem Schatten anheimgefallen ist, denkt auch daran, dass auch in euch solche Schatten sind.

Wenn wir im Vaterunser darum bitten, dass es uns gelingen möge, unseren Schuldigern zu vergeben, dann folgt dem unmittelbar und sehr sinnvoll die andere Bitte, dass wir nicht in Versuchung geführt werden. Bewahre uns vor den Schatten, die auch über uns Macht ge­winnen könnten, wie sie das wohl bei unserem Schuldiger getan haben mögen.

Fallt nicht aus der Liebe heraus! Darum geht es auch in dem abschließenden Wort Jesu, das uns als eine so unbegreifliche Forderung erscheinen will: »Ihr sollt vollkommen sein wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.« Was hier gemeint ist, ist einfach das In-der-Liebe-bleiben. Es geht um die Ganzheit der Liebe. Um es an der Umkehrung deutlich zu machen: es soll nicht so sein, dass wir etwa sagen: ja, bis zu der oder jener Grenze bleiben wir natürlich gern in der Liebe, bis zu diesem oder jenem Menschen. Aber dann hört die Liebe auf. Ganzsein in der Liebe - ist nicht auch Gott ganz in seinem Zugewandtsein, in seiner Liebe? Es wäre schlimm, wenn er Halt machte an einer Grenze und sagte: hier hört meine Liebe auf.

Das ist ja doch unsere christliche Gewissheit, dass wir mit allen unseren Unzulänglichkeiten, mit unserer Schuld und unserer Verstrickung, unserer Verkehrtheit und unseren Schatten bei Gott in Gnaden sind. Weil Gott ganz ist in seiner Liebe, wie auch wir ganz sein sollen in unserer Liebe. Das muss uns einfach dazu bewegen, dass wir uns auch für die Mitmenschen offenhalten, die voller Schatten sind. Auch für die böse Gewordenen, auch für die, die uns Feind sind. Darum geht es, das ist gemeint.

Ulrich von Hasselbach in »Freies Christentum« Nr. 7/8, Juli/August 1982

BIBELWORTE - KURZ BETRACHTET

Um Vergebung bitten

»Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sün­digt, vergeben? Genügt es siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir, nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal«. (Matthäus, 18, 21-22)

Wie so oft in den Evangelien ist es Petrus, der eine entscheidende Frage stellt, hier die Frage, wie oft man seinem Bruder/seiner Schwester vergeben soll. Die Antwort Jesu ist klar: Verge­bung soll vollkommen sein, ohne Maß. Das will das Wortspiel »siebzigmal siebenmal« aus­drücken. Schon das siebenmalige Verzeihen wäre großmütig und würde uns wahrscheinlich einiges an Kraft und Überwindung kosten, aber siebzigmal siebenmal scheint kaum leistbar. Und dennoch ist es das, was Jesus in seiner Antwort fordert.

Das wird darin deutlich, dass Menschen oft sagen »ich kann dir vergeben, aber nicht vergessen«, was so viel bedeutet, dass die Vergebung das Gegenüber nicht vollständig von einer Schuld, einer Verfehlung befreit. Das kann zu einem bleibenden Druck, zu einer Unfrei­heit in der Begegnung zwischen diesen Menschen führen.

In diesem Textzusammenhang ist mir klar geworden, dass Vergebung wahrscheinlich nur dann vollkommen sein wird, wenn ich mir selbst meiner Verfehlungen bewusst bin. Wir Menschen machen Fehler - wo wir atmen, handeln, reden oder passiv bleiben, wo wir agieren sollten, geschehen Fehler immer wieder, Fehler, die einen anderen verletzen in seiner Freiheit, in seinen Rechten, in seiner Würde. Das ist menschlich und auch wichtig, denn durch Fehler kann ich lernen.

Leben heißt, im weitesten Sinne, schuldig werden, und dass andere an einem schuldig wer­den. Und es gibt nur die Möglichkeiten, ein Leben lang Buch zu führen und Schuld aufzurech­nen, oder Schuld loszulassen und anderen zu vergeben. Vergebung bewahrt mich davor, die Spirale von verletzt werden und schuldig werden und Aufrechnen immer weiter drehen zu müssen.

So bringt vergeben können den eigenen Zustand in eine psychische Entspannung, bringt Befreiung und Harmonie. Und das bedeutet, dass ich Energie und Kraft für positive Tätigkeiten und Handeln zur Verfügung habe. Und durch Vergebung befreit sich die verletzte Person möglicherweise von einer Opferrolle, die ihre Kraft bindet.

Ich erinnere mich immer wieder an die Erzählungen von Hans Lange, der oft und gerne davon gesprochen hat, dass es zu bestimmten Zeiten und Anlässen in der Templersiedlung Sarona den Brauch gab, vor dem Gang zum Gottesdienst einen Gang der Versöhnung zu einem Bruder in der Gemeinde zu machen, um gereinigt vor den Altar des Herrn treten zu können ... »und vergib uns unsere Schuld ...«

Wolfgang Blaich

Nabots Weinberg - einst und jetzt

Das Alte Testament enthält zahlreiche Kriminalgeschichten mit Straftaten aller Art, von Mord und Totschlag bis hin zu Diebstahl, Raub und Vergewaltigung. Eine besonders perfide Form von Landraub wird in 1. Könige 21 unter der Überschrift »Nabots Weinberg - der König missbraucht seine Macht« geschildert: Ein Mann namens Nabot besaß einen Weinberg in Jesreel, in der Nähe des Palastes von König Ahab, der gern den Weinberg kaufen wollte, um dort einen Gemüsegarten anzulegen. Er bot Nabot einen besseren Weinberg im Tausch dafür oder den Gegenwert in Geld. Dieser wollte das »Erbe der Väter« aber nicht hergeben; über den Besitz eines freien Bürgers konnte nach israelitischem Recht auch der König eben nicht ohne weiteres verfügen. Ahab erzählte seiner Frau Isebel von dem gescheiterten Kaufversuch. Diese versprach Abhilfe und schrieb Briefe unter Ahabs Namen, versiegelte sie mit seinem Siegel und sandte sie an die Ältesten von Nabots Heimatort. In dem Brief wurde ihnen befohlen, ein allgemeines Fasten auszurufen. Man solle Nabot mit zwei skrupellosen Männern konfrontieren, die behaupten sollten, dass Nabot Gott und König gelästert habe. Nabot solle daraufhin gesteinigt werden. So geschah es auch. Isebel berichtete dem König vom Tod Nabots und forderte ihn auf, den Weinberg in Besitz zu nehmen, was Ahab auch prompt tat. In einem weiteren Abschnitt der Geschichte kündigt der Prophet Elia dem König im Namen des Herrn ein vernichtendes Unheil an, was trotz Ahabs Buße später auch eintraf.

Auch die von dem Israeli Dror Etkes im Jahre 2012 gegründete Nichtregierungsorganisation (NGO) trägt den Namen »Kerem Navot« (Weinberg Nabots). Sie hat es sich - ebenso wie einige andere NGOs - zur Aufgabe gemacht, die schleichende Aneignung von Land durch israelische Siedler im Westjordanland zu beobachten und zu dokumentieren. Zu den Rahmen­bedingungen muss man wissen, dass das Westjordanland nach dem Interimsabkommen zwischen der israelischen Regierung und der PLO von 1995 (sog. Oslo-II-Abkommen) in drei Zonen unterschiedlicher Befugnisse aufgeteilt wurde: Die Zone A (18 %) besteht aus den größeren Städten; dort soll die Palästinensische Autonomiebehörde das Sagen haben. Die B-Zone (20 %) setzt sich aus den ländlichen Gebieten und Dörfern zusammen; hier gibt es eine gespaltene Zuständigkeit zwischen den Palästinensern für administrative Aufgaben und den Israelis für die Sicherheitskontrolle. Das C-Gebiet wiederum macht mit 62 % den größten Anteil der Fläche aus und besteht aus den dünn besiedelten Landesteilen, den Dörfern und den israelischen Siedlungen; diese Zone steht zivilrechtlich, in Sicherheitsbelangen und in Sachen Infrastruktur unter israelischer Kontrolle. Das Interimsabkommen sah zwar prinzipiell vor, die Gebiete der Zone C schrittweise in palästinensische Autonomie zu überführen; eine Umsetzung und selbst eine Einigung über die Zuordnung der Gebiete ist bisher aber nicht erfolgt. Mittlerweile wurde es von PLO-Seite aufgekündigt und gilt als gescheitert. Insbe­sondere bezüglich der Zone C gibt es oft Auseinandersetzungen; das israelische Militär sieht sich immer wieder veranlasst, israelische Siedlungen und Siedler zu schützen.

Vor kurzem haben israelische NGOs wie Kerem Navot einen Bericht veröffentlicht, wonach die Anzahl und Fläche der Siedlungsaußenposten für Zwecke der Weidewirtschaft seit zehn Jahren ständig zunehmen. Etkes hält dies für die möglicherweise größte Veränderung im Westjordanland seit langer Zeit. Mittlerweile gebe es vor allem im Jordanteil relativ große israelische Farmen, von denen nur ein Bruchteil tatsächlich genutzt werde; dennoch sei der Rest des Geländes für Palästinenser, etwa Hirten, unzugänglich. Seines Erachtens würden auch die immer zahlreicher werdenden Außenposten der Siedler die politische Landkarte des Westjordanlands dramatisch verändern. Zu Beginn handle es sich nur um eine unspektakuläre Ansammlung von Baracken und Schafställen. Jedoch werde dadurch die Möglichkeit der Palä­stinenser drastisch beeinflusst, bestimmte Gebiete zu betreten. Nach Recherchen von Kerem Navot gebe es inzwischen 77 solcher Farmaußenposten; 66 davon seien im vergangenen Jahrzehnt gegründet worden, allein 46 in den Jahren 2017 bis 2021, als sowohl die israelische wie auch die US-Regierung unter Donald Trump den Siedlungsbau unterstützten. Mittlerweile umfasse das von den Farmaußenposten beanspruchte Gebiet eine Fläche von etwa 240 qkm, das sind knapp sieben Prozent des C-Gebietes. Etkes sieht darin eine Strategie der Siedler, um in der Zone C weitere Flächen zu vereinnahmen. So lägen die Farmaußenposten häufig an den Abhängen des Berglandes zum Jordantal hinunter und damit im traditionellen Weidegebiet vieler palästinensischer Hirten. Ein Hirte erklärte gegenüber einer deutschen Tageszeitung: »Anfang der 1980er Jahre war das gesamte Gebiet noch offen, hinunter bis nach Jericho und hinauf bis nach Taybeh (Anm.: nordöstlich von Ramallah). Im Laufe der Jahre haben die israelischen Besatzungsbehörden jedoch immer mehr Einschränkungen verhängt, etwa durch die Ausweisung von Naturreservaten. Immer wieder sind Schafe und Ziegen beschlagnahmt worden. Schließlich sind israelische Farmer gekommen, deren Farmgelände nicht mehr zugänglich ist. Heute kann man nur noch 300 Meter in die Berge gehen, andernfalls kommen die Siedler von oben und attackieren uns«.

Beduinen auf der Westseite des Jordantals (Foto: Obendorf - Quelle: Wikimedia Commmons)
Foto: Obendorf - Quelle: Wikimedia Commmons

Die Beschränkung der Weidegebiete hat erhebli­che Folgen, die durch den Ukrainekrieg und den Preisanstieg bei Futtermitteln noch verstärkt wer­den. Viele Palästinenser verkaufen jetzt ihre Scha­fe, weil es nicht mehr genug Weideland gibt; andere ziehen in die engeren A-Gebiete, weil es dort si­cherer ist. Allerdings - so der Hirte - gebe es ein gu­tes nachbarschaftliches Verhältnis mit den alteinge­sessenen Farmern aus dem Jordantal. Gewalttätig seien in erster Linie die Siedler aus den Neugrün­dungen der letzten Zeit. Manchmal gibt es gewalt­same Übergriffe auf palästinensische Dorfbewoh­ner. Beschwerden hätten - so ein Dorfbewohner - wenig Sinn; das Militär würde in der Regel behaupten, dass die Siedler zuerst angegriffen wor­den seien. Etkes vermutet, dass sich öffentliche Institutionen an der Finanzierung der nicht billigen Außenposten beteiligen, die auch nach israelischem Recht illegal seien.

Eine Vertreterin der siedlernahen Organisation Regavim erklärte indessen, man könne kei­neswegs von einer zunehmenden Kontrolle des C-Gebietes durch die Siedler sprechen. Viel­mehr gebe es eine koordinierte und mit Geldern der Europäischen Union geförderte Kam­pagne der Palästinenser, die C-Gebiete auf illegale Weise zu übernehmen; dagegen tue die Regierung zu wenig. Im Übrigen hätten die Palästinenser doch die A- und die B-Gebiete; dort sei mehr als genug Platz, allen ein gutes Leben zu ermöglichen.

Diese Auffassung der Siedlerorganisation kann man in Anbetracht der völkerrechtlichen Si­tuation und der überdurchschnittlichen Bevölkerungsdichte in den palästinensischen Autono­miegebieten fast schon als zynisch bezeichnen. Ein friedliches Zusammenleben scheint jeden­falls immer unwahrscheinlicher zu werden. Leider gibt es keinen Propheten Elia mehr, der den Beteiligten ins Gewissen reden kann.

Jörg Klingbeil

Droht uns ein hybrider Weltkrieg?

Der Ukrainekrieg hat bei unseren Lesern unterschiedliche Reaktionen ausgelöst, darunter die Stellungnahme eines russlanddeutschen Mitglieds, das der Putin-freundlichen Einstellung mancher Familienmitglieder und Freunde ratlos gegenübersteht. Immerhin habe man doch in der eigenen Familie erlebt, wie Deutschstämmige in der Sowjetunion lange Zeit unterdrückt und drangsaliert wurden (z.B. Umsiedlungen, Zwangsarbeit). Der Verfasser ist zwar im Ruhe­stand, arbeitet aber dennoch stundenweise für seine frühere Firma und widmet sich ansonsten viele Stunden der Betreuung von Ukraine-Flüchtlingen. Dadurch hat er viele Kriegsschicksale kennengelernt, die ihn betroffen machen.

In letzter Zeit macht mir die politische Entwicklung große Sorgen: Die Welt hat nicht nur die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts erlebt, sondern in der Folge auch einen Kalten Krieg mit einer Hochrüstung der Militärblöcke, der jahrzehntelang gedauert hat. Das politische Tauwetter Ende der 1980er Jahre hat - wie sich mittlerweile zeigt - nicht zu einer wirklichen Entspannung geführt. Insbesondere die derzeitige politische Führung der russischen Födera­tion hat mehrfach den Zerfall der Sowjetunion als größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet und versucht gegenwärtig offenkundig, diese Entwicklung mit militäri­schen Mitteln zu revidieren.

Zudem erleben wir derzeit auch neue Formen der hybriden Kriegsführung, die nicht nur den Einsatz von Waffen, sondern auch Cyberattacken, Desinformation und Propaganda beinhaltet. Was Propaganda bedeutet und bewirkt, hat die deutsche Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg am eigenen Leib erfahren. In der letzten Zeit habe ich aus eigener Anschauung erlebt, wel­chen Einfluss das russische Fernsehen auf die Russlanddeutschen hat. Vor ein paar Jahren war es der »Fall Lisa«, als russische Medien und Politiker den deutschen Sicherheitsbehör­den in einem angeblichen Vergewaltigungsfall Vertuschung vorgeworfen haben. Und derzeit erleben wir eine ähnliche Strategie von Seiten der russischen Regierung in Bezug auf den Krieg in der Ukraine, der in Russland nach wie vor nur als »militärische Spezialoperation« be­zeichnet werden darf.

Der Begriff der hybriden Kriegsführung tauchte erstmals 2005 unter Militärtheoretikern auf und erfuhr eine größere Verbreitung im Zusammenhang mit der russischen Annexion der (ukrainischen) Halbinsel Krim und anderen militärischen Operationen im Osten der Ukraine (2014). Dabei wurden russische Truppen ohne Hoheitsabzeichen eingesetzt; die flankierende russische Propaganda wurde vom UN-Hochkommissar für Menschenrechte als teilweise völ­kerrechtlich verbotene Hass-Propaganda bewertet. Da die hybride Kriegsführung (noch) nicht weiter definiert ist, operieren etwaige »Kämpfer« teilweise im rechtsfreien Raum und verwen­den Mittel, die bisher üblicherweise nicht Staaten zugeordnet wurden, sondern eher Terroristen und Kriminellen. Dazu zählen auch Vergewaltigungen und Entführungen. Dementsprechend bereitet die Anwendung von gültigen Konventionen Probleme. Kritiker werden systematisch mundtot gemacht; Oppositionelle sehen sich gezwungen Russland zu verlassen, um Repres­salien zu entgehen. Zudem werden die realen Vorgänge durch die Verbreitung von Fake News und Propaganda verschleiert.

Was mich besonders wundert, ist, dass selbst Bekannte, die ich früher als klug und kritikfä­hig gekannt habe, auf diese Propaganda hereinfallen und scheinbar »den Kopf in den Sand stecken«. Dabei begegnen mir häufig folgende Argumentationen:

»Mich interessiert die Politik nicht«, manchmal auch: »lass sie doch machen, was sie wol­len« oder »die machen sowieso, was sie wollen«. Meines Erachtens haben viele Menschen im Westen, vor allem Politiker, zu lange weggeschaut und die von Russland angezettelten Kon­flikte um Transnistrien und Georgien, die zwei Tschetschenienkriege, die Annexion der Krim und die Bildung der Donetzker und Luhansker »Volksrepubliken« ausgeblendet.

»Alle lügen. Wir werden die Wahrheit ohnehin erst in zehn Jahren erfahren«. Hierzu kann ich nur sagen, dass ich die Wahrheit hier und jetzt erfahren will.

Als besonders schlimm empfinde ich ungeprüft aus dem russischen Fernsehen übernom­mene Behauptungen, wonach die Ukrainer selbst ihre eigenen Städte beschießen und dem Erdboden gleichmachen würden.

Mein Großvater Heinrich Friesen wanderte von Russland nach Kanada aus und versuchte damals vergeblich, seine Mitbürger über die Verbrechen Stalins aufzuklären; er appellierte auch an sie, keinen Handel mit Russland zu treiben. Meines Erachtens erleben wir derzeit eine ähnliche Situation; die Warnungen vor dem imperialen Machtstreben Putins verhallten lange Zeit ungehört. Erst allmählich scheinen Politik und Öffentlichkeit zu begreifen, dass Putin nicht nur eine Bedrohung für seine unmittelbaren Nachbarn, sondern für die ganze Welt darstellt und auch unsere Gesellschaft spalten will. Dabei darf seine Unterstützung durch einen großen Teil der russischen Bevölkerung nicht unterschätzt werden. Bereits in einem Artikel der NZZ vom 20. Januar 2014 ( Das dritte Imperium | NZZ) wurde darauf hingewiesen, dass sich die russische Bevölkerung (bisher) mehr für das imperiale Image der Nation als für demokratische Rechte und bürgerliche Freiheiten interessiere. Eine soziologische Untersuchung habe im Jahr 2008 die Frage gestellt: »Möchten Sie lieber in einem großen Land leben, das von anderen Staaten respektiert und gefürchtet wird, oder lieber in einem kleinen, harmlosen Land, in dem Wohlstand herrscht?« Damals sprachen sich 78 Prozent der Befragten für die erste Option aus.

Paul Pankratz

Ökumene-Gipfel in Karlsruhe

soll Friedensimpuls für Ukraine senden

Vom 31.8. - 8.9.2022 findet in Karlsruhe die Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen statt, zu der bis zu 4000 internationale Gäste aus 350 Mitgliedskirchen erwartet werden. Das erstmals in Deutschland stattfindende Treffen steht unter dem Leitwort „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“. Einzelheiten und Materialien sind hier zu finden.

Angesichts der vielen aktuellen Krisen in der Welt sind die Erwartungen an das Gipfeltreffen naturgemäß hoch. So erwartet die Ratsvorsitzende der EKD und Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, wichtige Weichenstellungen etwa bei den Themen Klimawandel oder soziale Gerechtigkeit. Da in Karlsruhe sowohl eine russisch-orthodoxe als auch eine Delegation aus der Ukraine vertreten sein werden, hofft Kurschus aber auch auf einen Friedensimpuls für den Krieg in der Ukraine. Vielleicht könne auf kirchlicher Ebene eine Kommunikation möglich werden, die politische Wirkung entfaltet. Nach Einschätzung von Kurschus werden es weniger die dogmatischen, also die tiefgründigen Glaubensfragen sein, die bei derartigen Veranstaltungen für Uneinigkeit sorgen, sondern eher die ethischen und moralischen Fragen. Die Vollversammlung dürfe keine falsche Harmonie erzwingen, sondern sollte Unterschiede zulassen und aushalten.

Jörg Klingbeil

Danke für deine Zeit

Ehrenamtliche Arbeit ist freiwillig für das Gemeinwohl gegebene Zeit ohne finanziellen Gewinn. Ehrenamtliche Arbeit findet sich in allen Bereichen der Gesellschaft: bei Freizeit und Sport, beruflicher und anderer Ausbildung, im Sozial- und Justizwesen, in Kunst und Kultur, bei Not­fall- und internationaler Hilfe und, natürlich, in Glaubensgemeinschaften. Freiwillige geben Zeit und Energie (physische, emotionale und spirituelle) zum Nutzen anderer Individuen und Grup­pen.

Ohne Freiwillige würden manche gemeinschaftlichen Organisationen nicht effektiv funktio­nieren können. Freiwillige haben den Nutzen von Erfolgserlebnissen und Sinnhaftigkeit, eben­so wie der Übereinstimmung mit dem Allgemeinwohl. Der Nutzen von Ehrenamt beinhaltet durch das Gefühl geschätzt und mit der Gemeinschaft verbunden zu sein auch ein Wachsen des Selbstwertgefühls und Selbstvertrauens. Ehrenamt hilft gesunde Beziehungen aufzubau­en, stärkt die individuelle Bindung zur Gemeinschaft und zu anderen mit gleichen Interessen.

Sich ehrenamtlich zu engagieren, ist eine individuelle Entscheidung, obwohl Ehrenamt eine Gemeinschaftsaktivität ist. Was mich als Individuum antreibt, freiwillig mitzuarbeiten, ist die Gemeinschaft. Ich weiß, dass meine mentale und spirituelle Gesundheit auf meiner Verbin­dung zur Gemeinschaft beruht. Die Gemeinschaft gibt mir Selbstwertgefühl und setzt das Gefühl, wer ich eigentlich als Individuum bin, dazu in einen Zusammenhang. Ehrenamtliche Mitarbeit verhilft mir, neuen Menschen und neuen Ideen zu begegnen, und dadurch wachse ich.

Für mich ist die Wechselwirkung eine starke Motivation. Wenn wir uns gemeinsam für das gemeinschaftliche Wohlergehen einsetzen, fühle ich mich lebendig und verbunden. Ich fühle mich in unserer Gemeinschaft wertgeschätzt und empfinde eine Sinnhaftigkeit und Erfüllung, wenn andere meinen Beitrag schätzen. Die Zeile aus dem Friedensgebet des Heiligen Fran­ziskus kommt mir in den Sinn: »Denn wer sich hingibt, der empfängt.«

Gemeinschaft und Ehrenamt stärken meine Religion und meinen Glauben. Nach Ansicht ei­niger setzt sich der lateinische Ausdruck aus re - wieder - und ligare - verbinden, binden - zu­sammen. Dann bedeutet Religion die Praxis wieder und wieder zu dem zurückzukehren, was Ver-Bindung bietet. Religion hat die Bedeutung von Verbindung, Beziehung und Zugehörigkeit. Dieses Gefühl von Verbundensein und Zugehörigkeit kann auch in allen möglichen Bereichen geschehen, die gar nicht als religiös aufgefasst werden müssen - wie beispielsweise in glau­bensbedingten, sportlichen, sozialen, kreativen Bereichen, bei der Ausbildung und sogar am Arbeitsplatz. Für mich ist die Tempelgesellschaft meine religiöse Gemeinschaft, der Ort, an dem ich mich verbunden, zugehörig und in Beziehungen fühle.

Die TSA ist eine Organisation, die vornehmlich von Freiwilligen ganz unterschiedlichen Al­ters, unterschiedlicher Interessen und Hintergründen organisiert und unterstützt wird. In der TSA gibt es mehr als 50 verschiedene ehrenamtlich arbeitende Gruppen, angefangen bei den Leitungsgremien über solche, die gesellschaftliche Veranstaltungen planen, fürsorgliche und geistige Unterstützung leisten, bis hin zur Betreuung der Gemeinschaftsimmobilien. Der Reichtum der TSA-Gemeinschaft beruht auf weit über hundert Einzelpersonen, die bereitwillig ihre Zeit opfern.

Ab diesem Monat wird es im Templer Talk eine neue Rubrik geben mit dem Namen ‚Danke für deine Zeit‘ (S. 12). Damit soll jeden Monat eine andere ehrenamtliche Gruppe und ihre As­pekte, die unsere Gemeinschaft ausmachen, in den Mittelpunkt gestellt werden. Diese Bei­träge werden auch weniger bekannte Möglichkeiten, sich ehrenamtlich in unserer Gemeinschaft einzubringen, darstellen und den oft unbemerkt und weniger anerkannten Freiwilligen danken, deren Einsatz als selbstverständlich angesehen werden könnte.

- Welche TSA-Gruppen wollt Ihr gewürdigt sehen?

- Würdest Du bei freiwilligen Aktivitäten mitmachen?

- Wenn Ihr seht, dass eine Person namentlich genannt wird, schickt ihr Euren Dank für ihren Einsatz!

Renate Beilharz in der Juli-Ausgabe des »Templer Talk«, Übersetzung Karin Klingbeil

AUS DEM ARCHIV

»Ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott«

Infrastrukturnetz der Tempelkolonien im Osmanischen Palästina

Neue Dissertation über das Siedlungswerk der Templer in Palästina

Vor vier Jahren war ein Darmstädter Student namens Bene­dikt Vianden über vier Wochen Gast in unserem Archiv und vertiefte sich in alte Warte-Ausgaben und die reichlich vorhan­dene Sekundärliteratur über das Wirken der Tempelgesell­schaft im Heiligen Land. Außerdem wertete er weiteres Mate­rial an anderen Orten aus (u.a. im Politischen Archiv des Aus­wärtigen Amtes) und korrespondierte mit Doris Frank vom Archiv der TSA. Nun ist seine Dissertation als Buch bei der renommierten Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (wbg) er­schienen. Der Titel ist dem Alten Testament entlehnt (Jes 40,3) und soll - wie der Untertitel verdeutlicht und der Autor in der Einleitung erklärt - die Vermengung von religiösen Aspek­ten und dem von Templern vorangetriebenen Ausbau der In­frastruktur in Palästina in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg verdeutlichen. Vianden widmet sich in seiner Arbeit somit dif­ferenziert einem seines Erachtens bisher unterbelichteten As­pekt der Templergeschichte, nämlich dem Beitrag, den viele Templer damals zum Ausbau des Verkehrswesens, namentlich der Verkehrswege, in der os­manischen Provinz geleistet haben. Das Titelbild zeigt übrigens Wilhelm Beck mit seinem Milchtransportwagen auf der Strecke Betlehem-Haifa in der Zeit des Ersten Weltkriegs und wurde von Rolf Beck bzw. dem TSA-Archiv zur Verfügung gestellt. Das Buch umfasst 284 Sei­ten und kostet im Buchhandel 48,00 € (für Mitglieder der wbg 38,40 €). Interessenten können es gerne im Archiv ausleihen.

Jörg Klingbeil

Aktuell
Veranstaltungen im März
Regionaltreffen des Bundes für Freies Christentum
»Judenhass« - Michel Friedman stellt sein neues Buch vor
Religion im Gespräch: Islam und Christentum
Gemeindefreizeit