Treffpunkt - Gemeinde aktuell

Jahresrückblick 2010

Freitagabendtreff - »Nichts ist gut in Afghanistan!« (15. Oktober)

Eine Abendveranstaltung mit Dr. Erös

Margot Käßmann sprach vermutlich Dr. Reinhard Erös, dem ehemaligen Oberstarzt der Bundeswehr, aus der Seele, als sie in ihrer Neujahrsansprache konstatierte: Nichts ist gut in Afghanistan. Zum selben Urteil mussten auch die zahlreichen Zuhörer des -mit Diskussion- knapp dreistündigen Vortrags von Dr. Erös kommen. Er war zusammen mit seiner Frau aus Bayern gekommen, um im Templersaal ausgesprochen lebhaft und engagiert seine Sicht der Dinge zu schildern.

Seine Zahlen und Fakten klangen auch für den militärischen Laien plausibel und zugleich verstörend: Trotz 700 Milliarden US-Dollar Kosten für den Afghanistan-Krieg sei die Bundeswehr miserabel vorbereitet. Ihre Einsatzkräfte seien immer nur wenige Wochen im Land, zu wenig, um die Sprache und Menschen kennen zu lernen. Sie verschanzten sich in ihren festungsartigen Lagern, gepanzerten Fahrzeugen und Hubschraubern und blieben für die Bewohner "unsichtbar".

Das Hilfswerk, das Dr. Erös aufgebaut hat, will dem Fundamentalismus, wie er insbesondere durch die zahlreichen Koranschulen in Pakistan verbreitet wird, eine solide Bildung entgegensetzen. Alle Einrichtungen werden von Afghanen gebaut und betrieben. Die Finanzierung erfolgt nur aus privaten Spenden. Auf den Einsatz hoch bezahlter westlicher Spezialisten wird bewusst verzichtet. Die Spenden erreichen direkt Kinder und Familien. An den Schulen haben auch Mädchen die Möglichkeit gut ausgebildet zu werden, z.B. durch Schneider-, Computer-Kurse etc.

An einen Erfolg der NATO in Afghanistan glaubt Dr. Erös schon lange nicht mehr, weil die falschen Prioritäten gesetzt würden. Statt unsinnig viel Geld in einen hochtechnisierten Feldzug in einem bitterarmen Bauernland mit einer korrupten Oberschicht zu stecken, wäre es sinnvoller gewesen, den Koranschulen durch gute staatliche Bildungseinrichtungen das Wasser abzugraben.

»Stattdessen«, so das resignierende Fazit von Dr. Erös, »warten wir, bis die radikalisierten Jungs 18 Jahre alt sind, dann erschießen wir sie.«

Renate Pfau

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