Die Warte des Tempels
Monatsschrift für offenes Christentum

Ausgabe 179/5 - Mai 2023

 

 

Wozu wir Gott brauchen - Dr. Andreas Rössler

Jesus und die Tempelreinigung - Wolfgang Blaich

Warum wir als Christen die Klimadebatte ernster nehmen müssen - M. Schönhoff

Wozu wir Gott brauchen

Existenzielle Fragen angesichts von Krisen, Katastrophen und Säkularismus

Die massenhaften Kirchenaustritte hierzulande sind Ausdruck einer zunehmenden Entkirchli­chung und Entchristlichung, einer fortschreitenden Verweltlichung (Säkularisierung) bis hin zum Säkularismus, also einer Lebenshaltung und Weltanschauung, wo es nur noch das Dies­seits gibt und wo die Sehnsucht und die Frage nach einem das Diesseits überschreitenden größeren Ganzen verschwunden sind. Es herrscht religiöse Gleichgültigkeit. Der evangelisch-lutherische Bischof von Polen, Jerzy Samiec (Warschau), schreibt: »Ich habe mich oft gefragt, ob der heutige Mensch eigentlich Gott braucht. Es gibt doch so viele Menschen, die schon seit längerer Zeit Grabreden auf das Christentum halten« (Schlesischer Gottesfreund, Görlitz Oktober 2022, S. 127).

1. Gott steht nicht als Glücksgarant zur Verfügung

Verbreitet ist immer noch der Versuch, Gott zum eigenen Glücksgaranten zu machen. Ich erin­nere mich an einen Klassenkameraden, der sich als Atheisten bezeichnete, der sich aber nach eigenen Aussagen vor Klassenarbeiten an Gott wandte, er möge ihm zu guten Noten verhel­fen. Allem Anschein nach waren diese Gebete nicht von Erfolg gekrönt.

Wenn es uns schlecht geht, neigen wir dazu, uns enttäuscht von Gott abzuwenden oder jedenfalls heftig an ihm zu zweifeln. Wir wollen Gott dann zum Erfüller unserer Wünsche, zum Garanten unseres Glücks und Erfolgs instrumentalisieren. Wer Gott auf diese Weise vor den eigenen Karren zu spannen versucht, missbraucht die immer größere Daseinsmacht für eigen­süchtige Interessen. Unsere Wünsche und Bedürfnisse automatisch zu erfüllen, gelänge nicht einmal Gott. In den Kriegen betete jede der verfeindeten Kriegsparteien um den Sieg. Gott konnte da nicht beiden Seiten zu Diensten sein. In der Landwirtschaft wurde und wird oft um gutes Wetter gebetet. Aber verschiedene Bauern verstehen im Blick auf ihre Ernte Unter­schiedliches unter gutem Wetter. Auf wen soll Gott da jeweils eingehen?

Freilich haben wir das Recht, Gott um unser Glück, unser Wohlergehen und Wohlbefinden zu bitten. Wenn ihre Kinder krank sind, beten Eltern für deren baldige Gesundung und dass keine Schäden zurückbleiben. Oder wir beten darum, dass wir bei einer großen Reise vor Gefahr und Unfall bewahrt werden. Was uns wichtig ist und uns bedrängt, dürfen wir allemal vor Gott bringen. Jesus hat uns da aber das Vorzeichen für unsere Bittgebete mitgegeben: »Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!« (Lk 22,42).

Es stellen sich hier grundsätzliche Fragen nach dem Handeln Gottes in der Welt. Greift Gott von Zeit zu Zeit in das Geschehen ein? Interveniert er gelegentlich? Offensichtlich lässt Gott der von ihm geschaffenen Welt mit ihren Ordnungen die Freiheit, sich zu entfalten. Das kann sich zu unserem Wohlergehen auswirken, aber auch zu unserem Unglück. Statt an gelegent­liches »Eingreifen« ist hier eher an ein »Einwirken« Gottes zu denken. Gott wirkt mit seinem Geist auf unseren Geist ein. Da spielt aber unser persönliches Verhältnis zu Gott eine Rolle: dass wir uns seinem Einwirken öffnen, dass wir seinem Willen zu entsprechen suchen. Und da gehen bei den einzelnen Menschen die Wege auseinander.

Letztlich bleibt es unbegreiflich, wie Gott einerseits in allem, was vor sich geht, doch mit drin ist, als die Bedingung und die Ermöglichung von allem Dasein und Geschehen, und wie er andererseits der Natur, den Lebewesen und uns Menschen einen eigenen Spielraum lässt, so dass wir keine Marionetten oder Maschinen sind.

2. In einem jeden Nachdenken über Gott sind wenigstens drei Stufen zu unterscheiden.

Wozu brauchen wir Gott überhaupt? Diese Frage führt zu einer Vor-Frage: Was meinen wir, wenn wir »Gott« sagen? Wozu also brauchen wir welchen Gott? Da sind drei Stufen auseinan­der zu halten.

Auf der ersten Stufe ist unter »Gott« der Urgrund von allem zu verstehen; der Seinsgrund, der alles erst ermöglicht, dem sich alles verdankt, was ist, gewesen ist und sein wird. Philo­sophisch wird da etwa vom »Sein selbst« geredet, von der Transzendenz, der Tiefe des Seins, vom Weltgeist, vom Woher und Wohin von allem. Ohne eine solche kosmische Energie oder Seinsmacht würde alles im bloßen Nichts enden, ja es könnte von vornherein gar nichts exi­stieren.

Diese Ebene ist gar nicht zu bestreiten. Aber hier bleibt es noch offen, wie wir mit diesem Urgrund von allem dran sind. Ist er uns und allem Dasein gegenüber völlig gleichgültig? Oder ist der allumfassende Urgrund uns zugewandt? Sind wir ihm wichtig? Besteht sein wahres Wesen uns gegenüber in Zuwendung, Freundlichkeit, Güte, Liebe, Gnade und Barmherzigkeit, wie es die Bibel bezeugt?

Die zweite Stufe betrifft das Verhältnis des Urgrundes zur Welt. Ist der göttliche Urgrund mit der Welt identisch? Das ist Pantheismus. Oder steht der göttliche Urgrund der Welt gegenüber, biblisch gesprochen: der Schöpfer seiner Schöpfung? Das ist ein Monotheismus, bei dem Gott immer unendlich größer und umfassender ist als die von ihm geschaffene Welt. Hier ist der göttliche Geist dem menschlichen Geist unermesslich überlegen. Und Gott ist hier transperso­nal, mehr als Person und nicht weniger. Ist hier Gott zugleich in seiner Schöpfung und in den einzelnen Menschen gegenwärtig und umgreift er zugleich das gesamte Universum, dann kann man diesen Monotheismus als Pan-en-theismus spezifizieren. Im Unterschied zu einem Deismus, für den Gott der Schöpfer alles einmal angestoßen hat und jetzt alles sich selbst überlässt, bis er am Ende allen Geschehens einiges oder sogar alles einer Vollendung zufüh­ren wird. Es gibt weitere Auffassungen vom Verhältnis des Urgrundes zur Welt, etwa den Poly­theismus, wonach sich der Urgrund in verschiedene göttliche Kräfte auffächert.

Wie wir nun sinnvollerweise diese zweite Stufe, das (seinshafte, ontologische) Verhältnis des Urgrundes zur Welt, bestimmen sollten, das hängt ab von der dritten Stufe des Verständ­nisses Gottes.

Bei dieser dritten Stufe gehen die Auffassungen weit auseinander. Hier scheiden sich die Geister. In ein persönliches Verhältnis zu der kosmischen Kraft können wir nur dann treten, wenn sie uns zugewandt ist.

Auf alle Fälle brauchen wir die Urkraft, die Allmacht, um überhaupt sein zu können. Das ver­steht sich von selbst. Das können auch Atheisten, Naturalisten, Materialisten und Trans­hu­ma­nis­ten nicht bestreiten. Diese gehen aber an dieser Stelle wieder zu ihrer Tagesordnung über.

Die aus persönlicher Betroffenheit, auch aus dem Leiden an Krisen und Katastrophen in un­serer Welt und im eigenen Leben sich ergebende Frage »Wozu brauchen wir Gott?« stellt sich erst so richtig dann, wenn wir es mit einer göttlichen Schöpferkraft zu tun haben, der ihre Schöpfung nicht gleichgültig, sondern wichtig ist. Also mit einem Gott, dessen wahres Wesen uns gegenüber in Zuwendung, Freundlichkeit, Güte, Liebe, in Gnade und Barmherzigkeit be­steht. Eben das ist die biblische Grundüberzeugung, wie sie sich in Jesus von Nazareth in einem Menschenleben verdichtet hat.

3. Je stärker wir auf Gott bezogen sind, desto bedrängender die Frage, wozu wir ihn brauchen.

In dem amüsanten Fernsehfilm »Nächste Ausfahrt Glück: Familienbesuch« (ZDF, 19. Februar 2023, 20.15 Uhr) stoßen Welten aufeinander. Die streng katholische Brautmutter aus Ghana fragt die einst in der DDR areligiös sozialisierte Bräutigams-Mutter in Eisenach: »An was glaubst Du, wenn bei Dir alles zusammenbricht?« Diese gibt zur Antwort: »Das ist bisher zum Glück noch nicht passiert.«

Diese Bräutigams-Mutter mag diesen persönlichen Zusammenbruch in der Tat noch nicht erlebt haben. Aber sie müsste doch wissen, dass andere das erlebt haben, das Elend, den Schmerz, die alles in ihren Bann zwingende Angst, die Hölle auf Erden. Und für solche Men­schen und Situationen müsste sie Mitgefühl, Empathie empfinden, statt sich nur um das eigene Wohlergehen zu drehen. Und erst, wenn man sich dazu aufraffen kann, wird es zu einem ernsthaften, betroffenen Fragen danach kommen, wozu wir Gott eigentlich brauchen.

Aber auch wenn uns die christliche Botschaft von der Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes und seiner Zuwendung zu seiner ganzen Schöpfung einleuchten sollte, ist noch nicht gesagt, dass das nicht nur in unserem Denken Platz greift, sondern auch in unserem Fühlen und Handeln. Das ist noch ein weiterer Schritt. So wie jemand um die eigenen Eltern weiß, den Lebenspartner, die Kinder und Enkel, aber denen vielleicht gar nicht wirklich zugewandt ist, sondern sich doch bloß um sich selbst dreht. Es bedarf eigener Erfahrungen und auch Bemühungen, um in ein persönliches Verhältnis zu Gott zu treten, sich in eine Resonanz, einen Widerhall zu Gottes Liebe und Güte zu versetzen. Erst dann wird uns die Frage wichtig sein, wozu wir Gott eigentlich brauchen.

»Wozu brauchen wir Gott?« Diese Frage kann von zwei entgegengesetzten Untertönen begleitet werden. Entweder: »Was geht mich die Sache mit Gott überhaupt an? Das ist mir doch egal. Daran habe ich kein Interesse.« Oder aber: »Hilft mir Gott? Bin ich ihm wichtig oder bin ich ihm doch egal? Hat er an mir Interesse?« Weiter darüber nachdenken werden wir wohl nur, wenn wir auf der Suche nach Gott sind, wenn wir von der Frage nach Gott bewegt sind.

Zum »Urgrund« ist nur dann ein existenziell-personales Verhältnis möglich, wenn Gott der über-persönliche »Wille der Liebe« ist (Albert Schweitzer, Aus meinem Leben und Denken, 1931), der uns und der ganzen Schöpfung seine Liebe erweisen will und der zugleich von uns Liebe, Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit anderen gegenüber erwartet: »In der Welt offenbart sich uns der unendliche Wille zum Leben als Schöpferwille, der voll dunkler und schmerzlicher Rätsel für uns ist, in uns als Wille der Liebe, der durch uns die Selbstentzweiung des Willens zum Leben aufheben will.«

Das persönliche Bezogensein auf Gott, auch in der ehrlichen Suche nach ihm, im Transzen­dieren, im Hinausgehen über alles Vorfindliche und Fassbare hinaus, hat verschiedene Aspek­te. Ich will hier nur einige davon aufzählen: Die Demut vor dem Unergründlichen, vor dem Ge­heimnis des Daseins. Die Dankbarkeit für das Dasein und für das Geschenk des Lebens. Eine Zuversicht in das Kommende, auch wenn dieses jetzt noch unbekannt und unberechenbar ist. Das Bewusstsein, angenommen, bejaht zu sein, auch trotz eigener Schuld, eigenen Fehlver­haltens.

Es bleibt gerade für Menschen, die aus ganzer Kraft und Betroffenheit Gott suchen oder sich auf ihn verlassen, bei der Frage: Was bringt mir der Glaube an Gott für mein Leben, als Mehrwert auch über das hinaus, was Nichtglaubende als Glück und als Lebenssinn erfahren mögen? Was habe ich Besonderes von meinem Vertrauen auf Gott? Wie hilft mir das weiter in meinen verschiedenen Lebensumständen?

4. Religion und Kirche werden gebraucht

Schweifen wir kurz noch etwas ab, indem wir uns darauf besinnen, wozu Religion und Kirche gebraucht werden. Merkwürdigerweise halten viele, die sich als ungläubig oder religiös gleich­gültig oder jedenfalls als »religiös unmusikalisch« verstehen, Religion und Kirche für recht nützlich und hilfreich. Obwohl es unbestreitbar so ist, dass die Religion nicht nur Nutzen, son­dern auch viel Unheil gebracht hat, und dass die Kirchen nicht nur Lichtseiten, sondern auch Schattenseiten haben.

»Religion« im engeren Sinn ist etwa die Teilnahme am Leben einer Kirche, an ihren Gebräu­chen und Gottesdiensten, sowie das Ernstnehmen der Vorschriften und Gebote, die in einer Kirche vertreten werden; das Beten zu Gott und das nachdenkliche Lesen in der Heiligen Schrift. Das kann man so praktizieren oder es auch bleiben lassen. »Religion« im weiteren Sinn dagegen ist das Betroffensein von der Frage nach dem Sinn des Daseins; es ist die Frage nach der bleibenden, alles Einzelne überdauernden Wahrheit; nach dem, worauf es letztlich ankommt; nach dem, was unbedingt gültig ist und uns verpflichtet. Jeder Mensch braucht Religion im weiteren Sinn, will er nicht stumpf und egoistisch und auf das bloße Nichts zusteuernd seine Zeit vergeuden. Religion ist das, was uns unbedingt angeht (so Paul Tillich). Aber was ist wahrhaft unbedingt? Was ist »wahre Religion«? Wir wollen ja dort, wo es um das Ganze und um das Gelingen des Daseins geht, hoffentlich nicht auf ein falsches Pferd setzen! Religion im engeren Sinn kann lebensfreundlich, lebensdienlich sein, oder aber ein brutal offenes oder eher subtiles Machtinstrument. Wahre Religion, das darf man voraussetzen, ist in der Richtung der Förderung und nicht der Zerstörung des Lebens zu suchen.

Und was die Kirche betrifft, so werde manche Atheisten oder religiös und kirchlich Gleich­gültige sagen: »An Gott glaube ich nicht. Aber die Kirche ist eine durchaus nützliche Sache. Sie steht für Werte und für mitmenschliche und schöpfungsfreundliche Lebenspraxis. In der Kirche finden sich engagierte Leute, die zum Nutzen anderer wirken, auch wenn unserer Ansicht nach ihr Gottesglaube nicht stimmt.« Also sagen diese Leute: »Kirche in gewisser Weise ja, Gott eher nein«. Dabei werden die hinlänglich bekannten Schattenseiten der Kirchen zwar heftig kritisiert, aber doch als Zeichen von Menschlich-Allzumenschlichem widerwillig hingenommen. Wenn wir Kirche brauchen, so wird hier zu Recht argumentiert, dann natürlich nur eine aufbauende, helfende, sozial engagierte und Menschen zu gutem Tun motivierende Kirche.

Bewusste Christen halten die Kirche auch noch aus anderen Gründen für wichtig und hilf­reich. Sie finden in der Kirche eine bergende Gemeinschaft, die aus Einsamkeit, aus Isolierung heraushilft. Sie finden in der Kirche eine Gemeinschaft, in der sie akzeptiert, als Menschen ernst genommen werden. Sie finden hier einen Ort, wo man nicht angelogen wird. Und vor allem: hier werden sie zu Gott als der uns liebenden und annehmenden und freilich auch verpflichtenden, fordernden Macht hingeführt. Natürlich ist das eine idealtypische Betrachtung, denn die Kirche hat auch mehr als genug dunkle Seiten.

5. Wir brauchen Gott zu vertieftem Wohlbefinden

Was wir alle in unserem Leben brauchen und suchen, ist Glück, ist Wohlergehen und Wohl­befinden. Der hebräische Begriff dafür ist Schalom. Wohlergehen meint eher die äußeren Lebensumstände, also dass uns selbst Gutes widerfährt, oder dass durch uns anderen Gutes widerfährt. Wohlbefinden meint eher die eigene Gestimmtheit, die Befindlichkeit, die innere Haltung. Auch wenn Wohlergehen zu kurz kommt oder fehlt, kann Wohlbefinden, ein innerer Friede, wenigstens teilweise gegeben sein.

Wir können nicht einfach die Hände in den Schoß legen und das Wohlergehen von Gott erwarten. In diesem Fall würden wir ja Gott zu unserem Glücksbeschaffer machen wollen und uns dabei auf die faule Haut legen. Wie schon gesagt: Gott scheint nicht in das Geschehen einzugreifen, zu intervenieren, auch wenn er, wir wissen nicht wie, in allem Geschehen mit drin ist. Zu unserem Wohlergehen müssen wir schon selbst etwas tun, und es ist eine der wesent­lichen Lebensaufgaben, auch zum Wohlergehen anderer nach bestem Können und nach eige­nen Kräften beizutragen. Auch das Wohlbefinden anderer können und sollen wir fördern, etwa auf dem Weg über deren Wohlergehen, oder durch unsere Zuwendung, Empathie, durch unser Interesse an ihrem Geschick.

Viele Menschen scheinen überhaupt keine Glückserfahrungen zu haben, kein Wohlergehen. Sie machen die Hölle auf Erden durch. Merkwürdigerweise findet sich auch bei solchen von Leid und Schmerz, von Angst und Schrecken geschüttelten und zu Boden geworfenen Leuten zum Teil noch ein Quantum Wohlbefinden, Ruhe, Gelassenheit, innerer Friede.

Auch viele, die »nicht ausdrücklich Gott anerkennen« (eine Formulierung des Zweiten Vati­kanischen Konzils), weltanschauliche Agnostiker, religiös Gleichgültige und bewusste Atheis­ten, haben so etwas wie inneren Frieden gefunden. Ihr Wohlbefinden mag auf der Familie beruhen, dem Freundeskreis, dem sie erfüllenden Beruf, den Hobbies, der Liebe zu einem Menschen, der Begegnung mit der Natur, mit Literatur, Kunst und Musik, auf ihrer Suche nach Wahrheit und ihrem Zugewinn an Erkenntnissen. Wieso braucht es da noch Gott?

Gott brauchen wir für ein vertieftes Wohlbefinden. Etwa in unserer Dankbarkeit für das, was uns geschenkt ist und woran wir uns freuen können. Diese Dankbarkeit kann einfach ein Gefühl sein. Aber wem können wir dankbar sein für das Gute, das uns widerfahren ist? Etwa einem gnädigen Schicksal? Das ist ein nebulöser Begriff. Dann besser doch dem Geber aller guten Gaben, von dem wir uns beschenkt wissen dürfen und der der Adressat unserer Dankbarkeit sein kann! Das ist vertiefte Dankbarkeit.

Sollte uns aber ein böses Geschick einholen, dann ist von Wohlbefinden keine Rede mehr. Aber doch vielleicht davon, dass wir uns an dem Gott festklammern, der unser Halt bleibt auch in schlimmen Zeiten. So wie Jesus am Kreuz immer noch an Gott festhielt, mit seinem Schrei »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Mk 15,34). Auch das ist eine Vertie­fung.

Kinder, die irgendeinen schweren Kummer haben, wird von den Eltern zum Trost gerne gesagt: »Alles wird gut«. Genau genommen, ist das auf alle Fälle dann kein billiger Trost, wenn dabei der Gedanke mitschwingt: Der gütige Gott wird alles gut und heil machen, wie immer er will, und darauf dürfen wir zusteuern.

Im Rückblick Dankbarkeit, im Blick nach vorne Zuversicht. Diese Zuversicht mag bei man­chen einfach Ausdruck ihrer optimistischen Grundstimmung sein. Vertieft wird die Zuversicht, indem wir uns trotz aller Zweifel, Bedenken, Sorgen und Ängste Gott anvertrauen, der alles zu einer Erfüllung führen wird.

Liebe, Gerechtigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Wahrhaftigkeit sind von uns gefor­dert. Das wissen wir im Gewissen, und dieses Gespür haben auch sehr viele Menschen, die sich nicht auf Gott bezogen wissen. Andernfalls wäre das Zusammenleben in Familie und Gesellschaft unerträglich. Im Blick auf Gott werden alle diese ethischen Werte (deren jeweilige Konkretisierung wieder ein Kapitel für sich wäre) vertieft, indem wir uns von Gott unbedingt zum Guten gefordert wissen, ob uns das passt oder nicht.

Der Glaube, das Bezogensein auf Gott vertieft unser Wohlbefinden, denn wir sind auf den Gott bezogen, der der »Wille der Liebe« ist und der seiner Schöpfung und damit auch uns als geistigen Wesen zugewandt ist. Die Vertiefung liegt auch darin, dass wir für unser ganzes Leben, ja auch über den Tod hinaus, einen Gesamtzusammenhang sehen, eine Gesamtper­spektive: Wir sind und bleiben im wahren Daseinsgrund geborgen, komme, was da kommen mag. Hier finden wir unsere Verankerung, unseren Halt.

Nicht nur wir brauchen Gott. Sondern umgekehrt braucht Gott auch uns. Das ist der Wider­hall, die Resonanz, die zwischen Gott und uns hin und her geht. Gott braucht uns als Mitarbei­ter, um Wohlergehen und Wohlbefinden zu fördern; um mitzuhelfen, die Schöpfung zu bewah­ren; um zum Frieden, zum Schalom beizutragen; um damit schon im irdischen Dasein Spuren des Reiches Gottes zu legen; um durch Wort und Tat, durch unser Lebensbeispiel durchschei­nen zu lassen, dass Gott menschenfreundlich ist und sich seiner Welt zuwendet.

6. Wir brauchen Gott zur endgültigen Erfüllung, zur Vollendung unseres Daseins

Stellen wir uns einmal vor, den Gott der Liebe und der Zuwendung gäbe es gar nicht. So wie Jean Paul in seiner freilich rein hypothetisch gemeinten »Rede des toten Christus vom Welt­gebäude herab, dass kein Gott sei«, in seinem Roman »Siebenkäs« von 1797, einem Traum oder besser Albtraum, die Verlorenheit des Menschen im Kosmos beschreibt, die gegeben wäre, wenn dieser Kosmos und alle geistigen Wesen in ihm auf Gott verzichten müssten.

Wenn diese göttliche Macht, die durch den »Willen der Liebe« charakterisiert ist, eine Erdichtung und eine Illusion wäre, dann gäbe es keine verbindlichen sittlichen Maßstäbe wie Güte, Liebe und Wahrhaftigkeit. Es gäbe nur solche Maßstäbe, die wir aus Gründen des puren Überlebens selbst setzen und miteinander vereinbaren, die wir aber jederzeit wieder außer Kraft setzen könnten. Wie Fjodor Dostojewski gesagt hat: »Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt!«

Wenn es den Gott der Gerechtigkeit und der Liebe nicht gäbe, wäre zu guter Letzt der Nihi­lismus die Perspektive. Es würde dann eben alles im Nichts enden. Es gäbe auch keine Re­chenschaft, die wir über unser Tun und Lassen ablegen müssten. Mit dem Tod wäre alles aus. Das Dasein wäre ohne Sinn. Wenn aber der gütige, uns und der ganzen Schöpfung zuge­wandte, menschenfreundliche Gott da ist, dann gibt es für uns bleibenden Sinn und Wert, nicht nur im Leben, sondern auch über den Tod hinaus.

Wie wir Gott zu einem vertieften Wohlbefinden brauchen, so auch zum bleibenden Sinn, zur Erfüllung, zur Vollendung, zum »Heil«. Das können wir überhaupt nicht selbst leisten. Und diese Aussicht baut Angst und manche Sorge ab und führt zur Zuversicht.

Sören Kierkegaard schreibt: »Der Mensch, dessen Herz Gott sucht, erfährt, dass Gott nötig zu haben nichts ist, dessen er sich schämen müsste. Es ist kein Mangel, sondern Freude und Vollkommenheit und befreit von vielen unnötigen Bedürfnissen.«

Dr. Andreas Rössler

Vortrag beim Regionaltreffen des Bundes für Freies Christentum am 15. April 2023 im Ge­meindhaus der Tempelgesellschaft

BIBELWORTE - KURZ BETRACHTET

Jesus und die Tempelreinigung

In allen vier Evangelien finden wir den Bericht über Jesus und die Tempelreinigung in Jerusa­lem. Er ist abermals als Pilger zum Pessachfest nach Jerusalem gezogen. Sein erster Weg führt ihn in den Tempel, wo er sich bis zu seiner Verhaftung wiederholt aufhält und lehrt. Dort­hin waren auch weitere Pilger gekommen, um sich eine Woche vor dem Fest rituell zu reini­gen, wie es vorgeschrieben ist.

Im Markusevangelium (wie auch vergleichsweise in den anderen Evangelien) wird geschil­dert, wie Jesus bei seinem letzten Wirken in Jerusalem drastisch gegen die Händler im Tempel vorgeht: „ und er begann die Verkäufer und Käufer im Tempel hinauszutreiben und stieß die Tische der Geldwechsler und die Sitze der Taubenhändler um ...« Die Schriften geben zu verstehen, dass Jesus zornig auf die Geschäftemacherei im Heiligtum reagiert, und deshalb die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel hinaustreibt. Er reinigt das Haus seines Va­ters.

Dabei ist zu beachten, dass es nach Worten aus dem Alten Testament zu den Erwartungen an die Festpilger gehörte, nicht mit leeren Händen vor Gott zu erscheinen. Pilger kauften üblicherweise die Opfertiere in unmittelbarer Nähe des Tempels. Ebenso war es Brauch, die Tempelsteuer zu entrichten. Zu diesem Zweck mussten die Pilger ihre heimische Währung in die vor Ort geltende umtauschen. D.h., dass der Tempelkult immer auch mit Handel verbunden war.

Ich verstehe Markus so, dass Jesus nicht den Brauch an sich verurteilte, denn er vertreibt die Händler nicht generell, sondern nur aus dem Tempel. Und er sagt ihnen, warum er sie nicht im Tempel dulden will, mit den Worten: »er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrie­ben: Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker (Jesaja 56,7). Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht.«

Es ist wohl eine der seltenen Stellen in den Evangelien, die Jesus im Zorn zeigen. Er geht rigoros vor, fast gewalttätig. Jedoch treibt er seine Begleiter nicht an, ihm beizustehen und auch bei der Austreibung zu helfen. Es fließt kein Blut, niemand wird verletzt. Aber das Zeichen dieser symbolischen Aktion ist eindeutig als Mahnung zu verstehen - der Tempel ist zu heilig, um zur Markthalle zu verkommen. Die Tempelreinigung, die Jesus symbolisch vor­nimmt, bleibt eine Mahnung für alle Zeiten.

Und ein letzter Gedanke - wollte Jesus damit zeigen, dass jeder Mensch ein Tempel Gottes ist, ein Tempel, der vielleicht auch der Reinigung bedarf?

Wolfgang Blaich

Warum wir als Christen die Klimadebatte ernster nehmen müssen

Plädoyer für eine Theologie des Anthropozäns

Warum redet Gott nicht mit uns?

Der kreativ tätige, scheinbar allmächtige Mensch mit den unvorstellbaren technischen Möglich­keiten unserer Zeit steht kopfschüttelnd und ohnmächtig vor den Folgen seines Tuns. Kein Ort mehr, der für unsere Kinder und Kindeskinder Zuflucht bieten wird: Landstriche veröden, blü­hende Regionen vertrocknen, Regenwälder sterben, Atommülllager strahlen für die Ewigkeit. Wir gewöhnen uns an das Unfassbare: Ein Ende der menschlichen Geschichte wird denkbar.

Die von der Klimatologie und den Naturwissenschaften in Umlauf gebrachten Statistiken bleiben für die meisten von uns nebulös, weil sie unsere Vorstellungskraft übersteigen. Dass wir eher mürrisch und abweisend darauf reagieren, könnte ein Indiz dafür sein, dass die Gren­ze des Zumutbaren bereits überschritten wurde.

Doch wer hat überhaupt Schuld an dem Abschmelzen der Eisberge und an dem Ansteigen des Meeresspiegels? Bei wem können sich nachfolgende Generationen über die globalen Verwüstungen beschweren? Wer würde Rechenschaft ablegen und wer sollte wem vergeben? Wer ist Kläger und wer ist Angeklagter? Ist der Erfinder des Autos schuld oder vielleicht schon Adam? Oder ist diese Schuld ein bloßes Strukturproblem, welches durch das Netz der gesellschaftlichen Abhängigkeiten anonym bleibt und damit nicht zu fassen ist?

Christliches Reden über Schuld bleibt auch heute noch im Personhaften stecken. In einem konfliktbeladenen Weltzusammenhang aber, in dem jeder - freiwillig oder unfreiwillig - am Ge­samtsystem partizipiert, muss Schuldverstrickung über das Persönlich-Individuelle hinaus be­trachtet werden. Andererseits geht in der abstrakten Vorstellung von Kollektivschuld jeder Gedanke, ja jedes Gefühl von individueller Schuld unter. Nur Einzelne können schlechterdings als Frevler erkannt und zurechtgewiesen werden.

Richtig ist: für immer mehr Menschen wird die Zukunft unter unserem Himmel dunkel und unberechenbar. Fatalismus macht sich breit. Man überlässt den Lauf der Dinge dem Schicksal oder irrationalen Kräften. Wer aber oder was soll den Himmel und die Erde wieder herrichten? Rechnen wir mit einem wie auch immer zu beschreibenden Gnadenakt aus anderen Sphären? »Weil Gnade doch alles allein tut, darum kann alles beim alten bleiben. Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders«, so Dietrich Bonhoeffer.

Doch wie lange hat die nichtversiegende Quelle allen Lebens - mögen wir sie Ganzheit, Na­tur, Sein oder Gott nennen - diese unermessliche Geduld mit uns? Wie finden wir eine geisti­ge, ethische und spirituelle Grundlage, um die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte zu meistern und durchzustehen? Oder resignieren wir bereits jetzt und erstummen wegen der Sinnlosigkeit jedweder Appelle in einer bereits untergehenden Welt?

Warum redet Gott nicht mit uns? Wo ist denn Gott heute? »Wo bist du, Anderer? Du bist doch sonst immer da! Wo bist du jetzt, Jasager? Jetzt antworte mir! Jetzt brauche ich dich, Antworter! Wo bist du denn? ... Gibt denn keiner eine Antwort? Gibt keiner Antwort?« (Wolf­gang Borchert in »Draußen vor der Tür«). Was hat Gott wirklich vor in einer Zeit wie dieser? Im Zusammenhang mit dem Klimawandel käme es einer Unverschämtheit gleich, sich nicht mit dieser grundlegenden Frage zu befassen. Die christliche Heilsbotschaft wird mit einer Welt konfrontiert, die eindeutig der Rettung bedarf. Global und mit einer nie dagewesenen Schärfe. Oder muss die Botschaft selbst gerettet werden?

Ernst Conradie hat für Auserwählte, die durch religiöse Erweckung ihre Herzen und ihren Verstand ändern, einen biblischen Trost parat: »Gott verspricht, einen kleinen Rest durch ein Wunder zu retten, das die globale Erwärmung umkehren wird.« Doch den größten Teil der Bevölkerung werde er für ihre Torheit mit einer tödlichen Seuche bestrafen (Ernst Conradie, What is God really up to in a Time like this? Discerning the Spirit’s Movements as Core Task of Christian Eco-Theology, in: Confessing Hope for the Earth -The »Wuppertal Call«, Wuppertal, 16.-19. Juni 2019, S. 31.). Sollte Gott im 22. Jahrhundert also mit einem kleinen Rest einen neuen Anfang wagen?

Tröstende Verheißungen der Bibel?

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Können wir die biblische Heilsgeschichte heute noch erzählen? In Gen 8,22 lesen wir: »Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte.« In Offb 21,1-7 lesen wir: »Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr.« Können wir solche Botschaften noch ernst nehmen?

Nach den wissenschaftlichen Berichten wird das Schicksal der Meere das Schicksal des Planeten werden. Unsere Zukunft wird ozeanisch sein. Überschwemmungen werden zuneh­men. Auch die Bibel weiß von einer Flut zu berichten. »Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut - sie aßen, sie tranken, sie heirateten und ließen heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging; und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin -, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohns.« (Mt 24,38-39)

Wie verhalten sich die bedrohlichen Zukunftsszenarien der Wissenschaft zu den tröstenden Verheißungen der Bibel? In biblischen Zeiten erzählten die Psalmen von einem Gott, »der Treue hält ewiglich« (Ps 146,6). Und wir hören voller Sehnsucht die bleibende Zusage: »Denn siehe, ich will ein Neues schaffen« (Jesaja 43,19; 65,17; Offenbarung 21,5). Doch können uns die biblischen Verheißungen in einer sich dramatisch verändernden, kippenden Welt noch erreichen? Ich meine: Durch den Schrei der Schöpfung spricht Gott zu uns. Hören wir seine Stimme? Wird er uns in dem schmerzhaften Wandlungsgeschehen begleiten?

In dem Gedicht »Es kann sein« von Bernhard Trautvetter können wir erahnen, wie der Dichter von einer überwältigenden Sorge um die Nachgeborenen erfasst wird:

Es kann sein,

dass die Menschheit

das fossile Zeitalter überlebt.

Es kann sein,

dass die heute jungen Menschen

eine Welt erleben,

in der es sich leben lässt.

Es kann sein,

dass die Kinder junger Familien

später mal selber Kinder haben wollen.

Es kann sogar sein,

dass uns der Einsatz

der Bombe erspart bleibt

und dass die Menschheit

die Abschreckung überlebt.

Das alles kann sein,

wenn wir alles dafür geben,

dass es so kommt,

wenn wir unseren großen Traum

mit Liebe füllen,

mit jedem Atemzug

und mit jedem Schritt,

Seite an Seite,

Hand in Hand,

eben in Liebe.

Es kann sein.

Ein neuartiges Böses in einer knapp werdenden Zeit

Heute scheint ein neuartiges Böses unbesiegbar zu agieren: Es nimmt die Zerstörung einer ganzen Zivilisation in Kauf. »Viele Menschen sterben nur, weil einige wenige sich unendlich reich machen. Die meisten von uns zahlen nur dafür. Das ist doch total irre«, schreibt Mojib Latif (Mojib Latif, Das Pariser Abkommen war Selbstbetrug. Wir steuern auf drei Grad Erwär­mung zu, Interview in: Focus, Ausgabe 20 vom 14. Mai 2022, S. 70). Und wir können nicht fliehen. Wir haben nur diese eine Heimat. Wir sind alle, ausnahmslos alle, Gefangene auf einem überhitzten Planeten.

UN-Generalsekretär António Guterres hat die Situation des Planeten auf der Weltklimakon­ferenz COP27 im November 2022 in drastischen Bildern geschildert: »Wir sind auf dem High­way zur Klimahölle.« Und: »Wir kämpfen den Kampf unseres Lebens - und sind dabei zu ver­lieren.«

Das Sicherheitsniveau für Klimastabilität ist ein CO2-Gehalt in der Atmosphäre von etwa 350 ppm (= Parts per Million) - ein Niveau, das wir schon 1987 überschritten haben. Im Febru­ar 2022 lag es über 421 ppm. Bei den gegenwärtigen Emissionsmengen wird noch vor Ende dieses Jahrzehnts das CO2-Budget verbraucht sein, das uns verbleibt, um die Chance zu haben, unter 1,5 Celsius Erderwärmung zu bleiben, und damit das Risiko zu minimieren, irreversible Kettenreaktionen in Gang zu setzen (sog. Kipppunkte). »Wir haben keine Zeit mehr (...) Eile ist geboten!« So Mojib Latif (ebd.)

Wachsender Wohlstand und erweitertes Liebesgebot

Der Club of Rome forderte bereits vor 50 Jahren eine radikale Energiewende. Die heutige grüne Energieerzeugung ist zwar im Wachsen begriffen, aber der Energiebedarf steigt global um Größenordnungen noch schneller an, d.h., das Wachstum des weltweiten Energiebedarfs übertrifft bei Weitem die Steigerung des Einsatzes regenerativer Energieträger.

Welcher religiösen und moralischen Werte bedarf eine zerrissene Menschheit, will sie als Schicksalsgemeinschaft auf diesem Planeten überleben?

Wegen der begrenzten planetaren Grenzen wird der Mensch nur mit Null-Wachstum überle­ben. Ein neuer Mensch ist gefragt, der auf beständig wachsenden Wohlstand verzichtet und durch Maßhalten und Genügsamkeit den Verbrauch der Ressourcen radikal einschränkt; ein Mensch, der bereit ist zu einer radikalen und umfassenden Umkehr zu einem neuen, räumlich und zeitlich erweiterten Liebesgebot im Sinne einer Generationengerechtigkeit; denn es kommt darauf an, was wir in fünf oder zehn Jahren getan oder unterlassen haben, damit die nachfolgenden Generationen global sich immer noch eines guten, lebenswerten Lebens er­freuen können.

Magdalene Schönhoff, der Beitrag ist in »Freies Christentum«, Nr. 03/2023 erschienen, Fort­setzung folgt

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