Treffpunkt - Gemeinde aktuell

Jahresrückblick 2013

Wochenendseminar (26. bis 28. April)

Wofür steht die Tempelgesellschaft?

Erneut trafen sich 24 Templer (im Alter von 18 - 87 Jahren) auf dem Schönblick bei Schwäbisch Gmünd, um sich zu sehen und auszutauschen, Altes und Neues in unserer Glaubensgeschichte abzuwägen, Fragen zu stellen und Antwortversuche zu wagen - ohne den Anspruch, für andere zu sprechen, die Antworten zu kennen oder gar von der Tempelgesellschaft zu erwarten. Das Programm rankte sich um unser (jedes Einzelnen) Verständnis von Gott, Bibel, Jesus, Reich Gottes und die Tradition, aus der heraus wir all dies zu verstehen suchen.

Brigitte Hoffmann führte durch die Gespräche, die ganz im Vordergrund stehen sollten, »Vorträge« waren nicht geplant. In der Tat gab es viele Gespräche, viel Offenheit, nach meinem Gefühl weniger Fragen als »Statements« der Teilnehmer, die aber immer ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit formuliert wurden; man ging aufeinander ein und hörte zu. Ich hätte mir sicher noch mehr Fragen gewünscht, so fühlte ich mich manchmal weniger in der Rolle des Fragenden, der ich sein wollte, als in der des »Herausforderers«, der ich nicht sein wollte.

» ... wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.« (Matth. 18,20) zog sich spürbar durch das Seminar - auch ausgesprochen und gesungen. Es wurde deutlich, dass jeder seine eigene Erfahrung und Glaubensgeschichte hat und haben muss, und dass wir von der Tempelgesellschaft nicht Glaubensaussagen erwarten wollen und können, sondern einen (durchaus abgesteckten) Rahmen für unsere Fragen und Antworten, die aber doch unsere eigenen bleiben.

Welche Bilder, welche Vorstellungen haben wir von Gott? Gottes geistige Realität (Glaube und Selbstverständnis, Schriftenreihe TG 2, Mai 2000, S. 5 f) wird von den Teilnehmern weitgehend in ähnlicher Weise erlebt. Die jungen Teilnehmer betonten, wie sehr ihr Gottesbild im Fluss sei wie ihr eigenes Leben.  Wochenendseminar - Wofür steht die TempelgesellschaftAndere betonten die drei Seinsweisen von Gott als dem Schöpfer, dem Vater, Grund alles Seins; dann Gott sichtbar im Mitmenschen, Mensch geworden (nicht nur in Jesus) und auch Gott als der gute Geist, der uns in Liebe verbindet. ­Einige betonen das persönliche Gegenüber, das sie im Gebet ansprechen und sich angesprochen fühlen; es wird aber auch darauf Bezug genommen, ob wir uns Gott nicht »schaffen«, dass er (nur) der sei, den wir uns vorstellen (Feuerbach). Sein Wirken - ist man sich einig - erwarten wir nicht im unmittelbaren Eingreifen in den Ablauf der großen und kleinen Geschichte(n), sondern meinen, Fügungen und Führungen immer wieder dankbar rückblickend zu erkennen. Die Gebete der (betenden) Teilnehmer scheinen weniger »Schreie aus tiefer Not« zu Ihm als eher Ausdruck tief empfundener Dankbarkeit für das viele Gute, das uns widerfährt.

Jesus wird nicht verstanden als »Christus, der Sohn Gottes« sondern als Mensch, als Lehrer, als Beispiel der Nächstenliebe, als das konsequente Leben (und Sterben) für das Reich Gottes.

Der Ballast, den wir auch mit der historisch so oft missbrauchten und missverstandenen Botschaft Jesu mit dem Namen mittragen, könnte zu der Frage Anlass geben, ob Jesus denn heute noch ein Leitbild sei, das auch von kritischen jungen Menschen ohne dauernde Erklärung und Relativierung übernommen werden kann. Es wurde festgestellt, dass es in anderen Kulturkreisen und Religionen andere große Leitbilder gebe, wir aber aus unserer Tradition mit dem Leitbild Jesus vertrauter sind und unsere Wirklichkeit deuten.

Die Bibel als Sammlung grundlegender Lehren des Christentums und als »reiche Quelle menschlicher Erfahrung mit Gott« (Glaube und Selbstverständnis, a.a.O. S. 7) ist so voller Leben, dass sie aus unserer abstrakten Gottesvorstellung oft erst das greifbare Bild entstehen lässt, das uns wirklich ergreifen und mitreißen kann.

Mit dem »Reich Gottes«, dem zentralen Begriff in Jesu Botschaft und so auch in der Tradition der Templer, beschäftigte sich Brigitte ausführlich und in Rückgriffen auch auf das Alte Testament. Wie sehr unterschiedlich dieser Begriff gebraucht werde, betonte Peter Lange: Da ist bei den einen das Reich Gottes »schon mitten unter uns«, oder im sicheren Werden, oder ein Ziel, dessen Unerreichbarkeit auf Erden klar sei, aber der Weg dorthin gesucht werde. Von der Naherwartung wurde gesprochen, die Jesus offensichtlich bewegte, aber auch die Gründer Korntals. Wenn auch Christoph Hoffmann nicht diese Naherwartung hatte, hatte er doch eine Vorstellung davon, dass dereinst das Reich Gottes sich auf dieser Welt ausbreite. Die Teilnehmer äußerten eine weitgehend gemeinsame Vorstellung davon, dass die Vollkommenheit des Reiches Gottes nicht mehr im Vordergrund unseres Denkens und Handelns stehen könne, sondern das Streben nach Besserung und Vervollkommnung menschlichen Lebens und Zusammenlebens.

Mit der Bedeutung der Tradition im Allgemeinen, aber in der Geschichte der Templer ganz besonders, beschäftigte sich einführend Peter Lange. Die Sorge, ob die nicht in Palästina geborenen Templer vielleicht eine Belastung ihrer Mitgliedschaft erleben könnten im häufigen Bezug und dem Wiederbeleben der Erinnerungen der frühen Tempelgeschichte, wurde von den anwesenden Mitgliedern, die über die Hälfte nicht in Palästina geboren sind, keineswegs geteilt. Wie die Geschichten der frühen christlichen Gemeinden heute noch unseren Glauben beeinflussen, so sind die »Geschichten« aus Palästina, dem Kaukasus oder gar Ostafrika bedeutsam, indem sie persönliches Leben im Glauben und seine Wandlungen erlebbar und lebendig machen. Da passte es ganz ausgezeichnet, dass wir am Abend die eben aus Australien angekommene CD gemeinsam sahen: »The Templer Journey. Travels, Tales & Travails« (Historische Interviews 2011-2012 mit sieben Mitgliedern der TSA). Da musste man nicht in Palästina geboren sein, um bewegt zu sein von der Freude an der Jugend unter Gleichgesinnten und dem Teilen des Verlusts von Heimat.

Karin Klingbeils Andacht zu den Reich- Gottes-Gleichnissen (Matth. 13, 44-46) passte ganz ins Thema des Wochenendes: Auch wenn wir nicht wie der Bauer den Acker mit dem Schatz kaufen oder all unser Hab und Gut aufgeben für die »Perle«, die für das Reich Gottes steht, gibt es doch viele Beispiele, wie Menschen alles diesem Reich Gottes unterordnen, und sie erinnerte an Dietrich Bonhoeffer.

Die Teilnehmer waren sich einig in der Beurteilung des Wochenendes als sehr wertvoll. Für die Weithergekommenen ist es bei manchen die einzige Gelegenheit, sich als Teil der Gemeinde zu erleben. Mit froher Erwartung blicken alle auf das nächste Jahr und freuen sich auf das Weiterführen dieser ­guten Tradition.

Martin Schreiber

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