Treffpunkt - Gemeinde aktuell

Jahresrückblick 2007

Die Wennagel-Story (27. April)

Beim Freitagabendtreff am 27. April konnten wir zu unserer allgemeinen Freude wieder Horst und Irene Blaich aus Bayswater als Gäste begrüßen. Und obendrein haben sie auch den Abend für uns gestaltet: mit einem sehr interessanten Vortrag über das Buch, das sie erarbeitet haben, »The Wennagel Story«, eine Geschichte der Templerfamilie Wennagel - Irenes Mutter, Hilda Eppinger, war eine Wennagel. Das Buch ist noch nicht herausgekommen, es wird gerade gedruckt und zunächst auf Englisch erscheinen.

In der Hauptsache berichtete Irene - sie hat in 25-jähriger Arbeit die Geschichte ihrer Familie zusammengetragen, aus Berichten und Aufzeichnungen der älteren Angehörigen, aber auch aus den Archiven der Schwarzwalddörfer, aus denen die Familie stammt, und aus »Geschichten« der dortigen Nachkommen von Verwandten und Nachbarn, und sie erzählte lebendig und anschaulich von ihren Recherchen und deren Ergebnissen, zum Beispiel davon, wie im Lauf der 25 Jahre die gleichen Geschichten, die ihr immer wieder erzählt wurden, sich veränderten, oder davon, wie sie in den meisten Gesprächen auf viel Freundlichkeit und Interesse stieß, in manchen aber immer noch das alte Ressentiment gegen die Ketzer der Tempelbewegung durchklang. Oder davon, dass es für die Vorfahren damals notwendig und schwierig und ein Staatsakt gewesen war, eine Auswanderungserlaubnis zu erhalten: man musste in aller Form auf sein Bürgerrecht in der Heimatgemeinde verzichten und einen Bürgen stellen, der für eventuell nach der Auswanderung noch auftretende Verpflichtungen geradezustehen hatte.

Ich kann hier nicht die ganze umfangreiche Familiengeschichte aufrollen, ich will nur einige Hauptpunkte nennen, das eine oder andere, das mich besonders beeindruckt hat.

Irenes Urgroßvater Johann Martin Wennagel ist 1851 in Aach, einem kleinen Ort ein paar Kilometer nordöstlich von Freudenstadt geboren, wurde Maurer, trat der Tempelgesellschaft bei und gehörte, wohl wegen seines Berufes, zu den frühesten Auswanderern. Er heiratete in Palästina. Die Familie lebte zunächst in Jaffa, dann in Sarona, und erlebte dort die schwierigen Anfangsjahre, als innerhalb von zwei Jahren 40-50 Menschen starben.

Dort wurde 1878 Irenes Großvater Joseph Martin Wennagel geboren. Er wurde Architekt, baute u.a. die evangelische Kirche in Jaffa und war am Bau der Erlöserkirche beteiligt, später, zusammen mit dem Haifaner Architekten Christian Beilharz (ebenfalls aus Aach stammend) am Bau der Bagdadbahn. Irene erzählte anschaulich vom harten Leben in Zelten in der Wüste, wo Wasser und Verpflegung für alle laufend mit Kamelen herangeschafft werden mussten. Joseph Wennagel starb 1949 in Baiersbronn, er war wohl im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland gekommen.

Irenes Mutter Hilda, 1902 geboren, heiratete in Jaffa Richard Eppinger. Die Familie, mit vier Kindern, gehörte zu denjenigen, die in Palästina in den Internierungslagern verblieben, auch nach dem Abtransport der meisten nach Australien. 1948, wegen der Kämpfe um die Gründung des Staates Israel, wurden sie mit anderen Templern von der noch amtierenden englischen Mandatsmacht in ein Lager auf Zypern verbracht, vorläufig, bis ein Weitertransport nach Deutschland oder Australien möglich wurde. Dieses »vorläufig« bedeutete viele Monate Lagerleben, für manche bis zu einem Jahr. Sie nahmen bald die Verwaltung ihrer Lagersektion in die eigenen Hände, und Richard Eppinger wurde zum Lagerleiter gewählt. Diese Tatsachen waren wohl den meisten von uns bekannt, was Irene uns jedoch nahebringen konnte, war die Schwierigkeit für die Lagerleitung, Verbindungsinstanz und Prellbock zu sein zwischen der englischen Lagerbehörde, von der man abhängig war, die guten Willens, aber bürokratisch war, und den Templern, die auch guten Willens gegenüber den Problemen des Lagerlebens waren, aber immer ungeduldiger wegdrängten aus dieser ziellosen Existenz, was monatelang scheiterte, teils an der weltweiten Knappheit an Schiffskapazität (Millionen von Verschleppten, Flüchtlingen, Vertriebenen, Kriegsgefangenen strebten nach Hause), teils aber auch an englischer Bürokratie, zum Beispiel in Bezug auf die Sicherheitsstandards der in Frage kommenden Schiffe. Erst im Sommer 1949 kamen die Letzten weg, die meisten, wie Irenes Familie, nach Australien.

Als ab 1951 die Auswanderung nach Australien von Deutschland aus möglich wurde, gingen auch die meisten der in Deutschland gestrandeten Mitglieder der Familien Wennagel und Eppinger dorthin.

Ausführlicher erzählte Irene noch von ihrem Onkel Hugo Wennagel (Sohn aus der zweiten Ehe ihres Großvaters), der ebenfalls Architekt geworden und maßgeblich an Templer-Bauten in Palästina beteiligt war: Wasserturm und Molkerei in Wilhelma, in Australien am Bau des Altersheims in Bayswater.

Horst begleitete den Vortrag mit Bild-Projektionen und Erklärungen dazu: alten Fotografien von Sarona und Wilhelma und dem Bau der Bagdadbahn, Plänen und Dokumenten und Berichten über die umfangreichen Maßnahmen der Israelis zum Erhalt und der Gestaltung von Sarona.

So wurde es insgesamt ein sehr interessanter und unterhaltsamer Abend. Vielen Dank, Horst und Irene!

Brigitte Hoffmann

 

PS. Denselben Vortrag hielten Horst und Irene während ihres diesjährigen Deutschland-Aufenthaltes vor einem interessierten Publikum auch in Dornstetten sowie in Freudental.

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