Die Warte des Tempels
Monatsschrift für offenes Christentum

Ausgabe 178/3 - März 2022

 

 

Was ist der Mensch, dass Du an ihn denkst? - Jörg Klingbeil

Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis - Karin Klingbeil

»So viel du brauchst« - Klimafasten 2022 - Jörg Klingbeil

Wir sind religiöse Liberale - Charles W. Wendte

200 Jahre Conrad Schick (1822-1901) - Jakob Eisler

Der »weiße Elefant« soll sterben - Jörg Klingbeil

Wachsende Gemeinschaft - Christine Coxhill

Was ist der Mensch, dass Du an ihn denkst?

Gedanken zum 8. Psalm

Die Psalmen gehören zu den meistgelesenen Teilen der Bibel. Sie entstanden über eine Zeitspanne von rund 800 Jahren israelitischer Geschichte, davon die meisten wohl nach dem babylonischen Exil, als das persönliche Bekenntnis eine stärkere Rolle spielte als zu früheren Zeiten. Die Psalmen berichten über Erfahrungen des Menschen mit Gott und liefern zudem ein Abbild der Wandels, sowohl im Gottesbild als auch im Bild, das die Menschen im Laufe der Zeit von sich selber entwickelt haben. Es handelt sich um Erzählungen, die Grundmuster des Menschseins widerspiegeln und deshalb nicht zeitgebunden sind. Sie haben für uns auch deshalb Bedeutung, weil die Hebräische Bibel für Jesus und die ersten Christen im Mittelpunkt stand; aus ihr bezogen sie ihr eigenes Gottesbild, aus ihr beteten sie, ihre Verse zitierten sie. Das Neue Testament ist ohne das Alte Testament nicht denkbar, zumindest nicht in vollem Umfang verständlich. Auch für die Gründer der Tempelgesellschaft waren die Weissagungen des Alten Testaments besonders wichtig. Mittlerweile sind die Psalmen zum lebendigen Tradi­tionsgut geworden; viele kennen wir auswendig, zumindest teilweise, manche Zeilen daraus sind zu Sprichwörtern geworden. Letztlich ist auch unser Gottesbild von den Psalmen ent­scheidend mit geprägt worden.

Der Psalmist hat im 8. Psalm einen großen Hymnus komponiert, in dem in immer neuen Wendungen die Größe und die Allmacht Gottes gerühmt wird, in dem der Beter (oder Sänger) sich selbst und seine eigene Existenz ganz klein macht. Was vorherrscht, ist zunächst sein fassungsloses Staunen über die Schöpfung, über Sonne, Mond und Sterne »als Werk Deiner Hände«. Aus dem Staunen über Gottes Werk erwächst die Erkenntnis über die eigene geringe Bedeutung, die in den Kernsatz mündet: Was ist der Mensch, dass Du an ihn denkst, das Kind eines Menschen, dass Du es lieb hast?

Was ist der Mensch, was ist seine Bestimmung, wozu ist er auf der Welt, was ist sein Auf­trag? Mit diesen ewig gültigen Fragen befasst sich der Mensch wohl, seit er denken kann, in allen Kulturkreisen und in allen Religionen. Dies gilt erst recht, wenn er erkennt, wie klein und hilflos er im Vergleich zur Natur und zum Schicksal ist. Kein Wunder, dass der Mensch seit jeher auf der Suche nach Antworten, auf der Suche nach einer Bestimmung ist, die über ihn selbst hinaus weist, dass er sich nach einer Einbettung in etwas sehnt, das wir als größere, unbegreifliche und transzendente Macht mit dem Begriff Gott versehen. Aus dieser Ehrfurcht vor dem Unbegreiflichen, aus diesem Gefühl der Unfassbarkeit erwächst ein unmittelbares Be­dürfnis zu loben und zu danken.

Der Hauptteil des Psalms beginnt mit dem Betrachten des Himmels, des Mondes und der Sterne. Von Platon ist der Satz überliefert, dass mit dem Staunen die Philosophie beginne. Der Psalmist schildert hier das Staunen des Menschen über die Wunder des Himmels. Auch uns geht es nicht anders, wenn wir das Firmament in einer wolkenlosen Nacht und bei wenig Um­gebungsbeleuchtung, zum Beispiel in der Wüste oder im Gebirge, anschauen können, die Myriaden von Sternen und die Struktur unseres eigenen Sonnensystems, der Milchstraße. Da machen zweieinhalbtausend Jahre Zeitunterschied und der erhebliche Wissenszuwachs, den wir seither erfahren haben, keinen entscheidenden Unterschied im Vergleich zum Psalmisten. Wir wissen zwar viel mehr als der Psalmist darüber, wie das Weltall, wie unser Sonnensystem oder wie unsere Erde entstanden ist. Aber wird das Staunen deswegen geringer? Wir wissen mittlerweile, dass die Sonne nicht um unsere Erde kreist, dass unser Sonnensystem nicht das einzige in der Milchstraße ist, dass unsere Milchstraße nur eine unter Millionen von anderen Galaxien ist und dass das Weltall immer noch wächst (fragt sich nur, wohin). Das muss doch eigentlich noch viel mehr Anlass zum Staunen und Wundern sein, auch darüber, dass überhaupt Leben auf der Erde entstanden ist - und in der Reihe immer komplexerer Geschöpfe im Laufe der Evolution schließlich der Mensch, der nun in der Lage ist, darüber nachzudenken.

Das Staunen über sich selbst, in Relation zur Schöpfung, aber auch im Verhältnis zu Gott, das ist das Leitmotiv des 8. Psalms. Das Bewusstsein der eigenen Existenz wird hier zum Selbst-Bewusstsein. Aus dem bloßen Empfinden, dass etwas da ist, was man nicht begreift, wie etwa die Schöpfung, erwächst das Nachdenken darüber, warum etwas so ist, wie es ist, erwächst schließlich auch der Drang, Dinge zu verändern und nicht so zu lassen, wie sie sind, etwas zu gestalten. Das Individuum tritt hervor.

Der Psalmist belässt es nicht bei seinem fassungslosen Staunen. Er weiß um die besondere Rolle des Menschen, die aus seiner Sicht durch eine besondere Zuneigung Gottes zum Men­schen geprägt ist: Was ist der Mensch, dass Du an ihn denkst, und das Kind eines Menschen, dass Du es lieb hast? Da drängt sich doch die Frage auf, woher gewinnt der Psalmist den Eindruck, dass Gott an ihn denkt? Welches Gottesbild wird hier erkennbar? Die weiteren Zeilen geben einen Hinweis, denn der Psalmist nimmt Bezug auf die Ähnlichkeit mit himmli­schen Wesen: Du hast ihn (d.h. den Menschen) nur wenig geringer gemacht als Himmelswe­sen. Andere Übersetzungen sprechen von Engeln, bei Luther und in der Einheitsübersetzung heißt es sogar: Du hast ihn nur wenig niedriger gemacht als Gott. Das erinnert an die Schöpfungsgeschichte in 1. Mose 1, 27-29, wo es heißt: Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

Im 8. Psalm heißt es unter deutlicher Bezugnahme auf diese Schöpfungsgeschichte nur we­nig anders: Du gabst ihm den Auftrag, über alles zu herrschen, was Du geschaffen. Alles legtest Du ihm zu Füßen. Damit wird deutlich, dass die Gottesebenbildlichkeit des Menschen weniger etwas mit dem Aussehen zu tun hat, sondern vielmehr mit der Funktion des Menschen, der von Gott den Auftrag erhalten hat, gewissermaßen in dessen Stellvertretung, die Herrschaft über Fauna und Flora zu übernehmen. Hierin erkennt der Psalmist eben das Zeichen der besonderen Zuneigung Gottes zum Menschen. Nun kann man diese Stellvertre­terrolle ja unterschiedlich auffassen. Man könnte zum einen meinen, der Mensch dürfe mit der Schöpfung verfahren, wie er wolle und könne. Dem widerspricht allerdings die Erkenntnis, auch die des Psalmisten, dass Gottes Werk wohl geordnet erscheint, dass hinter der Schöpfung ein sinnvoller Plan zu stecken scheint, auch wenn der Mensch den Sinn nur ansatzweise begreifen kann. Letztlich hat der Mensch die Wahl, wie er seine Stellvertreterrolle auffasst, ob er sein Handeln reflektiert und sein Gewissen sprechen lässt. So gesehen, liegt die Gottesebenbildlichkeit des Menschen vor allem in der Freiheit der Entscheidung, wie er die Herrschaftsrolle ausfüllt und wie er verantwortungsbewusst mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten umgeht. Welche Vorgaben Gott ihm dabei gegeben hat, wird im zweiten Schö­pfungsbericht (1. Mose, 2, 15) deutlicher als im ersten: Und Gott, der Herr, nahm den Men­schen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Man könnte auch »gestalten« und »erhalten« dazu sagen.

Wir wissen mittlerweile, dass bis zum heutigen Tage weder die Berufung auf die Gottes­ebenbildlichkeit noch die auf den göttlichen Herrschaftsauftrag der Mitmenschheit und der Schöpfung immer zum Segen gereicht haben. Bereits in biblischen Zeiten ist die Stellvertre­terrolle und der von Gott abgeleitete Herrschaftsanspruch gegenüber anderen Kreaturen strapaziert worden, beispielsweise im neuen Bund Gottes mit dem Menschen (1. Mose 9) im Verhältnis zu den Tieren. Dort heißt es: Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach: .... Furcht und Schrecken vor euch sei über allen Tieren auf Erden und über allen Vögeln unter dem Himmel, über allem, was auf dem Erdboden wimmelt, und über allen Fischen im Meer; in eure Hände seien sie gegeben.

Das hört sich nicht mehr unbedingt nach »bewahren« oder »erhalten« an, sondern eher nach einem Freibrief, das Mitgeschöpf Tier beliebig als Nahrungsmittel zu ge- und verbrau­chen. Es würde jetzt sicher zu weit führen, die Ethik des Vegetariers aus der Bibel abzuleiten. Und Bibelstellen wie die über den neuen Bund mit Noah sind auch vor dem geschichtlichen Hintergrund des zivilisatorischen und kulturellen Wandels der Verfasser zu verstehen. Wäh­rend die urzeitlichen Nomadenstämme, die auf die Jagd gingen und deshalb auf regelmäßige Beute angewiesen waren, den Tieren noch so etwas wie Dankbarkeit oder zumindest ein schlechtes Gewissen gegenüber aufbrachten, verschwand dies in dem Maße, wie die Noma­den sesshaft wurden und Ackerbau und Viehzucht betrieben. Damit wuchs das Bedürfnis, die ethischen Vorgaben gegenüber Gottes Schöpfung neu zu justieren. Dies macht aber zweierlei deutlich: Erstens die Zeitgebundenheit der unterschiedlichen Maßstäbe für den Stellvertreter­auftrag des Menschen und zweitens die Aufgabe für uns, unsere Herrschaftsrolle immer wie­der neu zu interpretieren.

Für uns ist diese Rolle einerseits einfach, weil wir so viel mehr als der Psalmist über die Schöpfung und ihre Zusammenhänge wissen. Wir wissen oder zumindest können wir wissen, welche Folgen unser Tun hat. Andererseits ist es für uns aber unvergleichlich schwerer, weil wir die Herrschaftsrolle so ausleben können wie noch keine Generation vor uns und weil die gegenseitigen Abhängigkeiten so komplex sind. Aber auch wir sollten uns stets daran erin­nern, dass die Gabe, die wir mit unseren Talenten erhalten haben, in erster Linie eine Aufgabe darstellt.

Zwar ist die Gottesbeziehung für den gläubigen Menschen so bedeutend, dass er sich durch sie innerhalb der ganzen Schöpfung als privilegiert zu verstehen gelernt hat. Typisch mag hier­für die Formulierung sein, die in der katholischen Lehre hierfür gewählt worden ist, nämlich »dass alles auf Erden auf den Menschen als seinen Mittel- und Höhepunkt hinzuordnen ist« (Enzyklika »Gaudeum et spes«). Es muss die Frage erlaubt sein, ob dieses Bild der Welt, ja letztlich auch von Gott, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt, noch den heutigen Heraus­forderungen gerecht werden kann. Schließlich hat die Selbstprivilegierung des Menschen zahl­reiche Probleme hervorgebracht, von denen unser Umgang mit der Natur nur einen Aspekt dar­stellt.

In unserem Bild von Gott reflektieren wir zugleich auch unser Bild von der Schöpfung. Dabei werden auch wir wie der Psalmist vor das immerwährende Problem gestellt, dass wir uns kein Bild von Gott selbst machen können, weil er - noch mehr als die Schöpfung - unser Auffas­sungsvermögen übersteigt. Aber der Mensch ist wohl von Natur aus darauf angelegt, dass er begreifen will, dass er im wahrsten Sinne des Wortes etwas zum Anfassen oder zumindest zum Anschauen braucht. Und weil er keine anderen Maßstäbe hat, macht der Mensch eben Gott zum Ebenbild des Menschen, hängt ihm menschliche Eigenschaften an, beschreibt ihn oder bildet ihn ab oder nimmt ihn wahr, wie er ihn gerne sehen möchte. Aus dem Wunsch nach bildhafter Vorstellung erwächst auch die Zuschreibung von unterschiedlichen Eigenschaften Gottes, die in den christlichen Kirchen dogmatisch schließlich in der Trinitätslehre zum Aus­druck kamen. So verständlich insbesondere der Wunsch sein mag, Gott in Jesus sichtbar werden zu lassen, so sehr führt das aber auch dazu, das Gottesbild zu verengen und andere Gotteserfahrungen auszublenden. Das gilt nicht nur in Bezug auf das Christentum: Wir Christen sind es üblicherweise gewohnt, die »Heilsgeschichte« Gottes aus dem Judentum und dem Christentum und damit aus der Bibel abzuleiten. Hieraus erwächst, im Fall des Judentums noch ausgeprägter, das Bewusstsein, erwählt zu sein. Damit blenden wir aber allzu leicht aus, dass auch andere Kulturkreise eine Wahrnehmungsgeschichte Gottes für sich beanspruchen können. Die Universalität Gottes, die wir abstrakt bejahen mögen, kommt dabei deutlich zu kurz. Wir werden immer geneigt sein, von Gott in personalen Kategorien zu denken, dies aber vor allem deshalb, weil wir selbst Individuen sind. Wir werden ihn wohl auch immer mit Du ansprechen müssen und dürfen, schon weil wir im Gebet ein Gegenüber brauchen. Aber wir sollten trotzdem immer wieder der Versuchung widerstehen, uns auf ein bestimmtes Bild festzulegen, so als ob wir etwas damit festhalten können. Es gibt nicht wenige Theologen, die der Auffassung sind, dass die Mystik ein Weg sein könnte, um die Subjektivität der menschlichen Wahrnehmung in die Schranken zu weisen und zu einer tieferen, univer­saleren Religiösität zu kommen. Mich spricht in dieser Hinsicht ein Gedicht von Rainer Maria Rilke besonders an:

 

Alle, welche dich suchen, versuchen dich.

Und die, so dich finden, binden dich

an Bild und Gebärde.

 

Ich aber will dich begreifen

wie dich die Erde begreift;

mit meinem Reifen reift dein Reich.

 

Ich will von dir keine Eitelkeit,

die dich beweist.

Ich weiß, dass die Zeit

anders heißt als du.

 

Tu mir kein Wunder zulieb.

Gib deinen Gesetzen recht,

die von Geschlecht zu Geschlecht

sichtbarer sind.

 

Jörg Klingbeil (aus der Ansprache beim Gemeindegottesdienst am 2. Juli 2011)

BIBELWORTE - KURZ BETRACHTET

Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis

(1. Johannes 1,5)

Diese Aussage steht gleich zu Beginn des ersten Johannesbriefes, der etwa zur gleichen Zeit wie das Johannesevangelium geschrieben wurde - und möglicherweise sogar von demselben Autor.

Natürlich ist es - wie alle Aussagen über Gott - eine Glaubensaussage, eine, die uns zum Nachdenken veranlasst. Denn wo Licht ist, ist nach unserer Erfahrung auch Dunkelheit und wenn wir glauben, dass alles von Gott kommt, dann doch wohl auch das Dunkle. Nach dem Schöpfungsbericht gab es am Beginn nur Dunkelheit und Gott erschuf als Erstes das Licht. Und uns allen ist klar, dass wir ohne das Licht, nämlich das der Sonne, nicht leben könnten. Sie spendet nicht nur das Licht, das auch Pflanzen und Tiere brauchen, sondern auch die Wärme, ohne die unser Planet nicht bewohnbar wäre.

Aber wir stellen fest, dass Gott das Licht nicht permanent scheinen lässt, sondern dass es sich durch Tag und Nacht mit der Finsternis abwechselt. Als Gegensätze sind beide da und haben auch beide ihre Berechtigung.

Natürlich ist mit der Aussage des Johannes etwas anderes gemeint: wer - übertragen - ‚im Licht wandelt‘ oder von wem Licht ausgeht, der hält sich an Gottes Gesetze, der tut das Gute. Wer dagegen finstere Gedanken hat oder wer dunkle Geschäfte betreibt, von dem kommt eher Böses.

Hier geht es jedoch um Gott - dass von ihm alles Gute kommt, dafür danken wir ihm, loben und preisen ihn in vielen Kirchenliedern und Gebeten. Aber die Frage, die seit jeher alle Glau­benden bewegt, ist, ob von Gott auch das Dunkle in unsere Welt und zu/in den Menschen kommt. Wer hätte sich angesichts großen Leides nicht schon einmal gefragt, wie Gott das zulassen kann? Weil wir jedoch auf diese Frage keine Antwort erhalten, hilft sie uns auch nicht weiter. In unserem Leben in dieser irdischen Welt sind wir immer wieder vielen Widrigkeiten, Unzulänglichkeiten - eben den vielen Dunkelheiten - ausgesetzt.

Sie kommen von außen auf uns zu, können aber auch von uns selber kommen. Manche dieser Dunkelheiten können wir vielleicht wieder ausgleichen, aber es gibt so vieles, das wir selber nicht zu verantworten haben, wogegen wir machtlos sind, und das uns zutiefst bedrückt, ängstigt und bedroht. Da bleibt uns nur darauf zu vertrauen, dass uns die Kraft zufließt, einen Umgang damit zu finden, mit dem wir leben können.

Auch mit dem unsäglichen Einmarsch der Russen in die Ukraine, der weiteres großes Leid in unzählige Familien bringt.

Karin Klingbeil

»So viel du brauchst« - Klimafasten 2022

Die knapp siebenwöchige Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern steht auch in die­sem Jahr wieder unter einem bestimmten Motto, das die Kirchen und kirchlichen Hilfswerke vor kurzem ausgerufen haben. Es geht diesmal um einen klimafreundlicheren Konsum; den Schwerpunkt bildet die Ernährung, das Leitwort lautet »Soviel Du brauchst«.

Die Initiatoren erinnern in ihrem Aufruf daran, dass die Fastenzeit traditionell durch einen freiwilligen Verzicht auf Nahrung geprägt sei. An diese Ursprünge des Fastens will die ökume­nische Aktion Klimafasten anknüpfen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sollen animiert werden, sich klimafreundlicher zu ernähren und schon beim Einkauf und der Zubereitung des Essens auf einen geringeren Energieverbrauch zu achten. Schließlich seien Landwirtschaft und Ernährung Schlüsselfaktoren auf dem Weg zu mehr Klimaschutz und Biodiversität. Auch wir alle sollten unseren Beitrag dazu leisten und unseren Alltag bewusster gestalten - nicht zuletzt aus Verantwortung für die nachfolgenden Generationen. Die Aktion Klimafasten ruft dazu auf, mit kleinen Schritten einen Anfang für mehr Klimagerechtigkeit zu machen, die eigenen Gewohnheiten in den Blick zu nehmen und sich zu fragen, woher die Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden. Außerdem solle man darauf achten, wie die Lebens­mittel verpackt sind und was mit der Verpackung geschieht; zu beachten sei auch die Art der Zubereitung (fleischarm, vegetarisch oder vegan) und die dabei entstehende Klimabelastung.

Hierzu Dagmar Pruin, die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks »Brot für die Welt« und Schirmherrin der Aktion: »Klimagerechtigkeit beginnt bei uns zu Hause. Dafür ist es wichtig, dass wir uns bewusster ernähren und weniger Lebensmittel wegwerfen«. Mit dem Kauf regio­naler und saisonaler Produkte könnten Verbraucher einen Beitrag zu Senkung des CO2-Aus­stoßes bei Erzeugung und Transport von Lebensmitteln leisten.

Zahlreiche Ideen zum Nachmachen finden sich in einer Klimafastenbroschüre, die im Inter­net unter www.klimafasten.de heruntergeladen oder bestellt werden kann. Die Broschüre enthält viele Anregungen und praktische Tipps, die unter bestimmten Themen wochenweise gebündelt sind (z.B. respektvoller Umgang mit Lebensmitteln, Müllvermeidung, regionale Produkte oder Energieverbrauch in der Küche usw.).

In der Broschüre finden sich aber auch geistliche Impulse, wie zum Beispiel dieser:

»Ich gebe dir, so viel du brauchst!« Hinter diesem Zuspruch steht ein unglaublich großes Versprechen: ich bekomme - reichlich bemessen - von dem, was mir mangelt. Jenseits der Angst, zu kurz zu kommen, kann sich mein Leben aus der göttlichen Fülle nähren, kann ein­tauchen in den großen Schöpfungssegen: Es ist sehr gut.

Unbehagen an der Fülle kommt an der Stelle auf, wo sie sich ins Überfüllt-Sein wendet. Zu viele Dinge machen das Leben überflüssig und in der Folge dürftig. Oft ersticken sie die inner­lich wirklich bedeutenden Wünsche. Wie Mimosen melden die sich still und verschwinden bei der Berührung mit dem überwältigenden Konsumkarussell.

»Ich gebe dir, so viel du brauchst!« Gottes Heilmittel für den tiefen Lebenshunger ist wohl­wollende Zuwendung. Sein unbedingtes Ja ermutigt zu einem Leben aus der inneren Mitte: achtsam, selbstbegrenzt und solidarisch. Am Ende ist es Gotteshunger, der »des Lebens Mangel« füllt und uns gibt, was wir tatsächlich brauchen:

Gott, mach mich hungrig nach dir: meinen Magen, mein Herz, meine Seele. Nach dir, ..., der den Magen satt macht, mich nährt mit der Fülle der Schöpfung. Nach dir, dem Gerechten, der mich teilen lehrt, mein Herz satt macht von liebender Güte. Nach dir, dem Segnenden, der mich geschwisterlich verbindet, meine Seele sättigt mit erfülltem Leben.«

Jörg Klingbeil

Wir sind religiöse Liberale

»Wir sind religiöse Liberale, nicht weil wir diese oder jene Meinung vertreten, so fortschrittlich diese auch sein mag; und auch nicht, weil wir die Meinung anderer Leute leugnen oder bekämpfen; auch nicht, weil wir unsere Anschauungen locker vertreten oder gar keine Meinung hätten. Vielmehr ist der Liberalismus für uns eine Gesinnung, eine Geisteshaltung, eine Wesensart des Herzens gegenüber der Wahrheit. Der Liberalismus bedeutet die Vor­machtstellung des religiösen Geistes über den Buchstaben. Er steht für den Geist, der nie stillsteht und sich gerade dadurch von der Orthodoxie unterscheidet, die aufgehört hat zu wachsen, religiöse Endgültigkeiten akzeptiert und ihre Meinungen für unfehlbar hält. Wir sind Liberale, weil wir an die Freiheit glauben, an religiöses Wachstum und Entwicklungspotenzial; wir glauben an Aufrichtigkeit, Mut und Hoffnung bei der Behandlung von religiösen Fragen.

Aber vor allem sind wir Liberale, weil wir denen, deren Meinung wir nicht teilen, mit einem toleranten und wohlwollenden Geist gegenübertreten. Kein Geist kann wahrhaft liberal sein, der dem Andersdenkenden mit einer hasserfüllten und verächtlichen Gesinnung begegnet. Der wahre Liberale sucht nicht nur die Wahrheit zur Sprache zu bringen, sondern sie in Liebe zu äußern. Er toleriert seine Mitmenschen nicht nur, er liebt sie. Er geht großzügig mit ihren intel­lektuellen Irrtümern um und zeigt sich verständnisvoll gegenüber denen, die ebenfalls nach Wahrheit streben. Er respektiert, was ihnen heilig ist. Er ist nicht ungeduldig gegenüber Irr­tümern, die im Geist der Wahrheit vertreten werden. Seine einzige unverzeihliche Sünde ist die Lieblosigkeit - ein liebloses Herz, ein intoleranter Geist.

Das bedeutet es, ein religiöser Liberaler zu sein, und von solchem Geist und Zweck ist der Internationale Kongress der Religiösen Liberalen, zu deren Beratungen Sie heute eingeladen sind - im Sinne religiöser Freiheit, Wahrheit und Liebe.«

Charles W. Wendte, Präsident der »Free Religious Association«, heute »International Association for Religious Freedom« (IARF), beim »Fourth International Congress of Religious Liberals« in Boston 1907. Der »Bund für Freies Christentum« ist korporatives Mitglied im IARF.

200 Jahre Conrad Schick (1822-1901)

Bedeutender Baumeister von Jerusalem

Conrad Schick wurde am 27. Januar 1822 in Bitz auf der Schwäbischen Alb geboren. Nach seiner Ausbildung in Korn­tal zum Mechaniker fühlte er sich für den missionarischen Dienst berufen. Zunächst jedoch übte er den erlernten Beruf auch aus und arbeitete unter anderem als Geselle in Ebingen (heute Albstadt). 1844 trat er als Zögling in die Pilgermission St. Chrischona bei Basel ein und wurde 1846 mit einem wei­teren Bruder als erster Missionar nach Jerusalem gesandt. Dort gründeten sie das »Brüderhaus«, die erste deutsche protestantische Missionseinrichtung im Heiligen Land.

Der später (1869) zum »Königlichen württembergischen Baurat« gekürte Conrad Schick stand fünf Jahre lang in den Diensten der Basler Pilgermission. Er verließ das Jerusale­mer »Brüderhaus« 1851 und trat als Leiter des »Industrie­hauses« in die Dienste der »Londoner Judenmissionsgesell­schaft« ein. Hier begann Schicks Karriere, auf deren Höhe­punkt er eine bedeutende Rolle als Erbauer und Erneuerer Jerusalems im 19. Jahrhundert einnehmen sollte. Als Bauin­spektor initiierte Schick den Bau zahlreicher Gebäude in Jerusalem, leitete archäologische Ausgrabungen und trug so zur Erforschung des Landes bei. In der Phase vor den osmani­schen Tanzimat-Reformen, die die Stadtverwaltung neu strukturierten, stand Schick noch kei­ner Planungsbehörde gegenüber. Schick realisierte vor Ort, was im Austausch mit der Bevöl­kerung möglich war. Er stieß dabei auf große Offenheit, da zunehmend klarer wurde, dass die Bauprojekte die Lebensqualität aller hoben.

Conrad Schick in den Königsgräbern (Quelle: Landeskirchliches Archiv)
Quelle: Landeskirchliches Archiv

Er unternahm genaue Vermessungen der Jerusa­lemer Altstadtgassen und veranlasste auf deren Grundlage die Erstellung verschiedener Modelle der Jerusalemer Altstadt, die gleichzeitig als Grundlage für den Bau der Kanalisation in Jerusalem dienten.

Schick verfasste zwei größere Bücher, mehrere Leitfäden zu Stätten in Jerusalem (z.B. für die Gra­beskirche), er veröffentlichte viele Skizzen und Kar­ten und schrieb hunderte Artikel und Beiträge über das Heilige Land.

Er plante die unterschiedlichsten Bauten in Jeru­salem: für die Diakonissen das Hospital und die Mädchenschule Talitha Kumi sowie für den Jerusalemsverein z.B. die Missionsstation in Bethlehem und Beit Jala, darüber hinaus ganze Stadtviertel außerhalb der Mauern, wie etwa das jüdische orthodoxe Wohnviertel Mea Sche’arim (»die hundert Tore«).

Seine Vermessungen und Pläne für Bauten der jüdischen und arabischen Bevölkerung, der Russen und Franzosen kamen allen Bevölkerungsschichten der Stadt zugute. Schick stand während seiner 50jährigen Tätigkeit in Jerusalem dutzenden Institu­tionen und Vereinen als Vorsitzender oder Komitee-Mitglied vor. Ferner stand er mit Dutzenden von Palästinaforschern in Kontakt und unterstützte sie bei deren Forschungsarbeiten mit Rat und Tat.

Conrad Schick starb am 23.12.1901. Anerken­nung für Schicks Engagement spricht aus den Wor­ten des aus Württemberg stammenden und in Jeru­salem lebenden templerischen Architekten Theodor Sandel: »Am Christfest 1901 wurde er unter großer Teilnahme nicht allein von Deutschen und Engländern, sondern auch von Juden und Türken zu Grabe getragen.« Ebenso sichtbar ist die ihm gezollte Anerkennung in einem ganzseitigen Nachruf in der jüdischen Lokalzeitung. Con­rad Schick wurde auf dem Zionsbergfriedhof beerdigt, wo sein Grab bis heute noch zu sehen ist.

Dr. Jakob Eisler

Der »weiße Elefant« soll sterben

Der zentrale Busbahnhof (Ha-Tachana Ha-Merkazit) von Tel Aviv ist ein architektonisches Monstrum im südlichen Teil der Stadt. Die Einheimischen nennen ihn »weißer Elefant«. Als der Grundstein 1968 gelegt wurde, lag der Sechs-Tage-Krieg nur ein Jahr zurück; dementspre­chend optimistisch waren die Zukunftserwartungen und Planungen. In einer Stadt mit seiner­zeit 400.000 Einwohnern sollte der größte Busbahnhof der Welt entstehen, mit einem geplanten Durchsatz von einer Million Menschen pro Tag und einer Fläche von ca. 230.000 qm auf acht Ebenen, davon die Hälfte unterirdisch. Das brutalistische Bauwerk löste den Ende der 1940er Jahre angelegten alten Busbahnhof ab, den wir in den 1970er Jahren noch bei den Jugendreisen der TG kennengelernt hatten.

Hatte sich der israelische Architekt Ram Karmi seinerzeit noch eine Aufwertung der angrenzenden Stadtviertel durch die mit dem Bauwerk verbundenen Geschäfte, Hotels, Freizeitangebote und einen öffentlichen Park versprochen, so erwies sich die Umsetzung des Bauvorhabens als regelrechter Hin­dernislauf. Finanziert wurde das Bauwerk von einem privaten Investor, der mit einer Marketingkampagne weltweit um geschäftstüchtige Einwanderer warb, die sich in dem integrierten Einkaufszentrum ansiedeln sollten. Aber Ende der 1970er Jahre wurden die Bauarbeiten abgebrochen, nicht nur weil das Geld in der Wirtschaftskrise nach dem Jom-Kippur-Krieg ausging, sondern auch weil der Beton knapp wurde. Erst 1993 wurde das mehrfach erweiterte Betonmon­strum fertig und blieb bis 2010 tatsächlich der größte Busbahnhof der Welt. Inzwischen war das ursprüngli­che Konzept jedoch hoffnungslos überholt; so mussten unterirdische Haltestellen wegen der Abgasbelastung geschlossen und Abfahrtsrampen verlegt werden. Damit wurden auch zahl­reiche Läden vom Passantenverkehr abgeschnitten. Die vier Kinos im Gebäude konnten sich nur ein halbes Jahr halten. Außerdem wirkten sich die Sicherheitsmaßnahmen während der zweiten Intifada, in der Busse zum Ziel von Terroranschlägen wurden, auf den Kundenzu­spruch negativ aus. Der Busbahnhof verwahrloste zusehends; von den acht Ebenen werden derzeit nur noch vier genutzt. Von den 1.500 Läden sind nur noch 600 in Betrieb; statt der geplanten einen Million passieren heute täglich nur 50.000 Menschen den Bahnhof.

Der Busbahnhof von Tel Aviv 2010 (Quelle: Anatoli Axelrod,
 Wikimedia Commons)
Quelle: Wikimedia Commons

Nun ist der Abriss des Gebäudes geplant. Anfang Dezember 2021 sollte aufgrund mangelnder Brand­schutzbestimmungen bereits die Räumung der inzwi­schen halb verlassenen Teilruine beginnen, in der viele kleine und große Investoren Geld verloren haben. Der Handel spielt sich nur noch auf der dritten und vierten Ebene ab. Immer wieder verlaufen sich viele Menschen in dem Betonlabyrinth zwischen 29 Rolltreppen und 13 Aufzügen. Die oberen Etagen führen zum eigentlichen Bahnhof für die hier täglich verkehrenden mehr als 5.000 Busse. Hingegen sind die unteren graffitiverschmierten Ebenen längst zum Umschlagplatz für Prostitution und Drogenhandel geworden.

Viele Bürger der Stadt meiden den »Hinterhof von Israel«. Andererseits hat sich hier eine bunte und lebendige Subkultur entwickelt, in der Eingewanderte und Minderheiten eine große Rolle spielen. Es gibt Läden mit Billigklamotten und Lebensmitteln aus aller Welt, exotische Garküchen, sogar einen Kindergarten und ein Theater, aber auch den größten Nachtklub der Stadt und die größte Bibliothek für jiddische Literatur. Schätzungsweise tausend Menschen würden bei einer Räumung auf die Straße gesetzt, meinen Insider. Auch hieran mag es liegen, dass die Stadt die Räumung kürzlich um zwei Jahre verschoben hat. Außer finanziellen und bautechnischen Problemen sowie Rechtsstreitigkeiten mit Ladeninhabern gibt es aber wohl auch andere Gründe für das Zögern: Im Keller befindet sich ein Bunker für 16.000 Menschen und eine geschützte Kolonie ägyptischer Fruchtfledermäuse.

Jörg Klingbeil

EIN GEMEINDEPORJEKT IN DER TSA

Wachsende Gemeinschaft

Seit 2019 betreibt unsere Schwestergemeinde in Australien ein Gemeinschaftsprojekt, das nicht nur Gemeindemitglieder anspricht, sondern auch eine Außenwirkung hat. Christine Cox­hill, die Verantwortliche, beschreibt das Projekt für uns.

Martina (Eaton, die Sozialarbeiterin der TSA in Melbourne) hatte für das Außengelände unserer Gemeinde die Vision, aus einem Teil einen wunder­schönen ‚community garden‘ (Gemeinde-Garten) zu machen, in dem alle Altersgruppen zusammenkom­men könnten, um neue Fähigkeiten zu erlernen, da­bei organische Produkte zu ziehen und dauerhafte Beziehungen mit der Gemeinde auszubilden. Sie erhielt einen ersten Zuschuss von der Stadtverwal­tung von Knox, mit dem sie die ersten Beete - in der Nähe der Kegelbahn - anlegen konnte, nachdem sie mich (Christine Coxhill) Ende 2019 angeworben hatte. Im Oktober dieses Jahres fand der erste Arbeitseinsatz statt, bei dem weitere drei Beete mit Erde, Mulch und etlichen Gemüsepflanzen und essbaren Blumen, an denen sich die Leute auch erfreuen sollten, gefüllt wurden.

Ein Gemeindeprojekt in der TSA - Wachsende Gemeinschaft (Foto: privat)
Foto: privat

In den vergangenen drei Jahren hat sich der Gar­ten soweit vergrößert, dass er heute elf Beete, zwei Kompostbehälter, eine ‚Wurm-Farm‘, zwei Anzeige­tafeln (die von Paul Haar gezimmert und gespendet wurden) und einen endlosen Vorrat an Handschu­hen, Handtüchern, Gartengeräten und vieles mehr umfasst.

Viele Gemeindemitglieder haben entscheidend dazu beigetragen, ein wunderschönes Umfeld für den gewachsenen Garten zu schaffen. Uns wurden Tische und Stühle gespendet, so dass wir das Wichtigste haben, um einen fröhlichen Tag im Gar­ten zu verbringen. Besonders großzügig war die Spende eines Pizza-Ofens, der uns nach einem Tag harter Arbeit im Garten köstliche Pizza genießen lässt.

Unser hauptsächliches Ziel bei der Anlage des Gartens schließt das Wohl und die Gesund­heit der Bayswater-Gemeinde durch den Anbau frischer Produkte ein, indem wir nachhaltige Anpflanz-Techniken anwenden.

Außerdem fördern wir dadurch soziales Zusam­menwirken, begründen Freundschaften, Zusam­mengehörigkeit, Wohlwollen und Respekt füreinan­der. Wir bauen eine Gemeinschaft, die mit Schulen zusammenarbeitet, mit Anwohnern und Altenhei­men, um zu Aktionen für den Klimawandel und Er­nährungssicherheit zu ermutigen. Wir bieten einen Raum, der zum Lehren und Lernen über Gesund­heit und Wohlergehen, verschiedene Aspekte der Nahrungsmittelherstellung und nachhaltige Techni­ken genutzt werden kann. Wir arbeiten als Gemein­schaft, um Nahrungsmittel anzubauen und sie zu teilen. Vor allem auch, um für die Gemeinde eine Oase zur Erholung zu schaffen und durch den Gebrauch von organischen Anpflanzungstechniken wieder in Verbindung mit der Natur zu kommen.

Ein Gemeindeprojekt in der TSA - Wachsende Gemeinschaft (Foto: privat)
Foto: privat

Als Covid-19 anfing, mussten wir alle unsere Arbeitseinsätze und Veranstaltungen aussetzen, was uns sehr betrübte. Aller­dings sind wir wie viele andere gemeindebezogene Initiativen auch online gegangen. In den Monaten der Lockdowns boten wir wöchentliche Anleitungen an, um die Menschen dafür zu begei­stern, in ihren eigenen Garten hinaus zu gehen und ihre Nah­rungsmittel selber anzubauen! Unsere Themen umfassten Sa­men-Aufzucht, die Planung und Anpflanzung im Winter, Grund­lagen der Gartenarbeit für Anfänger, Kompostieren, Begleit-Be­pflanzung und die Planung und Anpflanzung im Frühling.

Bei den letzten Veranstaltungen und Arbeitseinsätzen konzen­trierten wir uns auf unser Torbogen-Projekt, »Bayswater verschö­nern« genannt, das Monika Maddock leitete und dessen gesamte Holzarbeiten von Rolf Glenk ausgeführt wurden. Indem wir Skulp­turen und Holz von einem frisch gefällten Baum verwendeten, gestalteten wir einen Eingangsweg/Bogengang, der ein originelles und buntes Merkmal des Gartens sein könnte. Wir wollten den Menschen die Möglichkeit geben, darüber zu sprechen und ihre großartigen Skulpturen in dem Garten zu sehen, und dadurch eine Bindung zwischen dem Garten und ihren Stiftern her­zustellen. Außerdem wollten wir für junge Leute einen Anreiz geben, mitzumachen, im Garten etwas zu übernehmen und Interesse an dem Garten zu haben.

Wir halten jeden Monat Arbeitseinsätze ab, die üblicherweise die Gemeindezusammenkünfte ein­beziehen und die helfen, den Garten instand zu hal­ten. Diese Tage sind angefüllt mit Bewässern, Dün­gen, Unkraut-Jäten, Mulchen und Ernten! Sollte je­mand mitmachen wollen, gibt es genug zu tun, jeder (egal, welchen Alters) kann zu den Arbeitseinsätzen vorbeikommen, jeder kann zu den Förderern gehö­ren (gerne auch aus Deutschland) - und wer Kü­chenabfälle hat, kann diese in der ‚Wurm-Farm‘ verfüttern oder sie in die Kompostbehälter bringen, um die Abfallmengen verringern zu helfen.

Christine Coxhill, Übersetzung Karin Klingbeil

Aktuell
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Regionaltreffen des Bundes für Freies Christentum
»Judenhass« - Michel Friedman stellt sein neues Buch vor
Religion im Gespräch: Islam und Christentum
Gemeindefreizeit