Die Warte des Tempels

Monatsschrift für offenes Christentum

Ausgabe 166/11 - November 2010

 

 

»Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor«

Vom Leben nach dem Tod

Dieser Titel ist ein Zitat aus dem Gedichtzyklus von Kästner »Die 13 Monate«, natürlich aus dem November-Gedicht. Ich habe ihn gewählt, weil ich diese Kästnersche Mischung von Ironie und tieferer Bedeutung liebe, und auch, weil ich diesmal etwas anders vom Tod reden will, nicht mit Ironie, aber auch nicht mit der Pietät wie bei Beerdigungen.

Schon die Tatsache, dass ich diesen Artikel schreibe, beruht zu einem Teil auf Konvention. Der November ist bei uns der Monat des Sterbens, in der Natur, im Kirchenkalender, in unserer Vorstellung; ob auch in der Realität, ist mir zweifelhaft. Ich meine gelesen zu haben, dass es einen Anstieg der Sterberate eher im Frühjahr gibt.

Schon das zeigt, dass unsere Einstellung zum Tod stark bestimmt ist von der Konvention, von der Kultur, in der wir leben, auch vom Zeitgeist. Ich möchte das an ein paar Beispielen zeigen.

Das Alte Testament kennt, zumindest in seinen älteren Teilen, kein Weiterleben nach dem Tod. Der Tod wird manchmal als Strafe gesehen, meist als eine Mahnung, eine Erinnerung an die Vergänglichkeit alles Irdischen: »Denn alles Fleisch ist wie Gras«, »Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden«. Von Abraham und von Hiob heißt es: »Er starb alt und lebenssatt«.

Das ist für mich ein wunderschönes Wort. Es bedeutet zunächst einen friedlichen Tod und ein Einverstandensein mit dem Tod. Zugleich beschreibt das Wort lebenssatt etwas, was wir gerade heute, wo immer mehr Menschen 90 oder 100 Jahre alt werden, immer wieder beobachten können: nicht nur die körperlichen und geistigen Kräfte lassen nach, auch die Fähigkeit zum Freuen, aus brennendem Interesse wird ein sanftes Interessiertsein, der Horizont wird enger. Auch wenn jemand nicht unter Schmerzen und Verwirrtheit leidet: dann ist der Tod willkommen. Er ist notwendig und selbstverständlich wie das Fallen der Blätter im Herbst.

Im späten Mittelalter trat ein ganz anderer Aspekt des Todes in den Vordergrund: der des Gerichts. Die vielen, oft künstlerisch großartigen und darum inhaltlich umso erschreckenderen Darstellungen des Jüngsten Gerichts an den Portalen der großen Kirchen zeugen davon - sie waren in einer Zeit, als die meisten nicht lesen konnten, wohl das eindrucksvollste Medium. Und das bedeutete Angst, die Angst vor dem Tod, ganz besonders vor dem »jähen«, plötzlichen Tod ohne sündentilgende Sakramente. Zwar sollte die Hölle nur den Bösen bestimmt sein und/oder denen, die nicht den rechten Glauben hatten (darüber ließ sich trefflich streiten). Aber bei dem tiefen Sündenbewusstsein, das den Menschen von klein auf beigebracht wurde, konnte sich keiner sicher sein, dass er zu den Geretteten gehören würde. Der Tod wurde zum Feind. Auch wenn die evangelische Lehre von der Erlösung durch Gnade damit theoretisch Schluss gemacht hatte, scheint mir, dass diese alte Todesfurcht noch lange nachgewirkt hat (ich kenne zumindest ein modernes Beispiel). Dass die große Mehrheit von uns heutigen Mitteleuropäern nicht so empfindet, brauche ich wohl nicht extra zu sagen. Wenn wir Angst haben, dann wohl eher vor dem Sterben als vor dem Tod an sich.

Wie sehen wir den Tod? Oberflächlich betrachtet, verdrängen wir ihn erfolgreich. In der Öffentlichkeit kommt er nicht vor. Wenn eine bekannte Persönlichkeit stirbt, wird manchmal etwas über ihr Leben berichtet, immer über die Trauerfeierlichkeiten, Privates und Religiöses kommt fast nicht vor - und ich empfinde das als richtig. Und in dem, was täglich auf uns herabregnet, von der Werbung bis zum Fernsehen (dort mit Ausnahmen), geht es um Jugend und Wohlbefinden und Erfolg, so dass der Eindruck entsteht, das sei das einzige, was es im Leben gibt.

Das mag für manche so sein, aber es sagt natürlich nichts aus über die Haltung jedes Einzelnen, der früher oder später unweigerlich mit dem realen Tod von Freunden und Angehörigen konfrontiert ist. Dann reden wir, oder manche von uns, darüber - und es wird deutlich, dass schon in einem solchen kleinen Kreis die Meinungen verschieden sind. Man kann darüber keine allgemeinen Aussagen machen.

Glauben wir noch an die »Auferstehung der Toten und ein ewiges Leben«, wie es im kirchlichen Glaubensbekenntnis steht? Was bedeutet es uns? Hat Jesus es so geglaubt? Zu seiner Zeit glaubten das die meisten Juden außer den Sadduzäern; er selbst sicher auch. Siehe seine Antwort auf die Frage der Pharisäer: »Gott spricht (2. Mose 3,6): Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen.« Zugleich tadelt er die in der Frage enthaltene Auffassung, dass die Auferstandenen heirateten. »Sie werden nicht heiraten, sondern sind wie die Engel im Himmel.« Das ist eindeutig. Aber das Thema scheint Jesus nicht wichtig gewesen zu sein. Es taucht sonst nirgends auf. Das kann damit zusammenhängen, dass Jesus in der Naherwartung des Gottesreiches lebte. Vom ewigen Leben ist im Johannesevangelium häufig die Rede, bei den Synoptikern nur ein- oder zweimal, und da ist nicht ganz klar, was gemeint ist. Der reiche Jüngling fragt: »Was kann ich tun, dass ich das ewige Leben erlange?« Wir kennen Jesu Antwort und die Reaktion des Jünglings. Als Kommentar sagt Jesus dazu zu den Jüngern: »Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen.« Setzt er damit ewiges Leben und Reich Gottes in eins? Heißt das, dass es im Reich Gottes keinen Tod mehr geben wird? Das bleibt offen. Jesus, der für die Verkündigung des Gottesreiches lebte, hat außer der einen oben genannten keine Aussage gemacht und kein konkretes Bild davon gegeben, wie dieses Reich sein werde.

Es gibt meines Wissens nur eine Aussage dazu. Sie steht bei Paulus, der den Begriff Reich Gottes nie verwendet, - und sie hängt eng mit unserer Frage nach dem Jenseits zusammen:

»Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören... ... Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.« (1. Kor. 13, 9-12)

»Wenn aber kommen wird das Vollkommene« - das bezeichnet den Anbruch einer neuen, ganz anderen Welt und Zeit - des Gottesreichs. Auch Paulus lebte in der Naherwartung. Wir, die wir diese Erwartung nicht teilen, können seine Aussage nur auf das Jenseits beziehen. Und genau das erklärt, wie in der christlichen Tradition aus der Hoffnung auf das Reich Gottes die Hoffnung auf das Jenseits wurde. Denn als das Gottesreich eben nicht kam, ging es den späteren Christen genauso wie uns. Und das umso mehr, als für Paulus zu dieser neuen Gotteswelt untrennbar die Auferstehung der Toten gehört, von der er anschließend ausführlich spricht und erklärt, dass sie nur durch den Tod hindurch möglich sei, mit dem Bild vom Samenkorn: »Was du säst, wird nicht lebendig, es stürbe denn.«

Zugleich ist dieses Pauluswort für mich die schönste Aussage, die man über die Jenseitshoffnung machen kann: »dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.« Erkennen bedeutet in der Bibel meist viel mehr als das templer-übliche »Wo g'hörsch na?« Es bezeichnet z.B. auch die Vereinigung von Mann und Frau; allgemeiner: die größtmögliche Nähe und das größtmögliche Verstehen. Ich denke, das ist eine große Sehnsucht vieler Menschen, so zu erkennen und so erkannt zu werden. Auf Erden ist ein solches Verstehen immer begrenzt. Paulus spricht die Hoffnung aus, dass wir es finden werden, im Jenseits oder »wenn das Vollkommene kommt«.

Ich denke, es ist deutlich geworden, dass, wenn auch nicht sehr klar, Jenseitshoffnung von Anfang an zum Christentum gehört hat; in manchen Phasen stand sie im Mittelpunkt. Wie stehen wir dazu? Wir sprechen wenig darüber, auch im Gottesdienst, weil wir uns sehr bewusst sind, dass das etwas ist, worüber wir nichts wissen können, dass also unser Reden darüber eigentlich ein Spekulieren ist.

Vor einigen Jahren brachten wir in der »Warte« einen Bericht eines Pfarrers über ein Gespräch mit einer Sterbenden, einer alten Frau, die ihr Christentum überzeugt gelebt hatte. Nun, im Anblick des Todes, sagt sie: »Ich weiß eigentlich nicht, was ich mir mehr wünsche, die wohlverdiente Ruhe der Kinder Gottes oder das Eingehen in ein ewiges Leben.« Was mich daran tief beeindruckt hat, ist die heitere Gelassenheit, das Vertrauen: wie es auch kommt, ist es gut.

Aus manchen Gesprächen - wie schon gesagt, nicht vielen - habe ich den Eindruck, dass gar nicht wenige heute so empfinden: ich glaube, mehr oder weniger, an ein ewiges Leben, ich hoffe vielleicht auch ein bisschen darauf, aber sehr wichtig ist es mir nicht. Wichtig ist, dass ich mein Leben hier und jetzt so gut wie möglich lebe, möglichst wenige verletze, möglichst vielen helfe und Freude bereite. Das ist eine Haltung, mit der wir uns durchaus auf Jesus berufen können, dem es offenbar nicht wichtig war, wie das Reich Gottes sein würde, aber lebenswichtig, dass es komme, wie es komme und was wir dazu beitragen können.

Noch für die Generation unserer Großeltern war, sofern sie sich als Christen fühlten, der Glaube an ein Leben jenseits des Todes selbstverständlich und unverzichtbar. Heute habe ich den Eindruck, dass er immer mehr in den Hintergrund tritt, bei den einen aus Gleichgültigkeit, bei den anderen aus Skepsis gegenüber allem, was sich nicht beweisen lässt, bei manchen auch einer Konzentration auf das Diesseitige, die -siehe mein obiges Beispiel- durchaus auch religiös bestimmt sein kann.

Daneben gibt es die vielen, - ich zähle mich dazu -, für die dieser Glaube wichtig ist. Es ist ein unsicherer Glaube geworden, von dem wir nie sicher sein können, dass wir ihn uns nicht zurechtmachen, weil wir es so wünschen. Aber Glaube ist per definitionem kein Wissen, sondern eine Hoffnung und ein Vertrauen. Man kann deshalb ehrlicherweise immer nur über den eigenen Glauben sprechen, bei jedem anderen wird es ein bisschen oder sehr viel anders sein. Der Glaube, dass unser Leben mit dem Tod nicht zu Ende ist, bedeutet für mich, dass es für unsere Sehnsucht »zu erkennen und erkannt zu werden« eine Erfüllung gibt, auch für die nach mehr Erkenntnis in einem weiteren Sinn: dass ich mich selbst besser erkennen kann, meine Schwächen und Unzulänglichkeiten, und dass es einen Weg gibt; dass ich einen Sinn sehe dort, wo er mir bisher verborgen ist; er bedeutet die Hoffnung auf Freude, vor allem für die, die im Leben vor allem Leid erfahren haben; die Hoffnung nicht nur auf ein Wiedersehen mit denen, die mir im Leben nahe waren, sondern dass ich auch sie besser erkennen und verstehen lerne. Alles zusammen bedeutet, dass mein Weg mit dem Tod nicht zu Ende ist, sondern weiterführt.

Das ist meine persönliche Vision. Es gibt manche - viele? - Anzeichen dafür, dass hinter einer solchen, auch im Einzelnen anders gearteten, Hoffnung eine geistige Realität steht, von Nahtoderlebnissen bis zum Kontakt mit Verstorbenen, den manche Menschen auch schon im Diesseits pflegen können. Das sind keine Beweise, aber vielleicht Hinweise, die unsere Hoffnung stärken können. Es ist eine Hoffnung, die uns zu leben hilft.

Und deshalb sollten wir vielleicht manchmal auch darüber reden. Denn wenn wir über etwas nie reden, verliert es leicht seine Relevanz für uns und damit seine Kraft.

Brigitte Hoffmann

Als Naturwissenschaftler an Gott glauben?

In einem kürzlichen Gottesdienst der TSA (am 11. Juli in der Tempelgemeinde in Bayswater) stellte Dr. Hennig Imberger die Frage, ob wir angesichts der heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse noch an einen Schöpfer, wie er uns in der Bibel begegnet, glauben können und Halt und Führung in ihm finden. Er zeigte auf, wie er selbst den Glauben an Gott mit moderner Naturerkenntnis in Übereinstimmung gebracht hat. Seine Ausführungen sind nachstehend, in gekürzter Form, wiedergegeben.

Nachdem 1859 Darwins Buch über die Entstehung der Arten erschienen war, wurde zunehmend daran gezweifelt, ob man noch an einen Schöpfer glauben könne, da die darin dargestellte Evolution der Lebewesen durch natürliche Auslese der Fittesten und Angepasstesten keinen Raum mehr für diesen zu belassen schien. Die Forscher konnten keinen direkten Nachweis für ein spirituelles Leben finden (»Wir Naturwissenschaftler forschten danach und fanden keines«) und schrieben den Gedanken an solch geistiges Leben dem Bereich der Fantasie zu.

Präzise durchgeführte Untersuchungen ergaben jedoch, dass Patienten mit einem ausgeprägten Glauben generell besser und schneller gesundeten, sodass daraufhin etliche Ärzte ihre Patienten zu einem verstärkten Glauben ermutigten, auch wenn der jeweilige Arzt der Auffassung war, dass Einbildung im Spiel sei. Es wurde nachgewiesen, dass Fantasie oder Einbildung eine psychosomatisch-therapeutische Wirkung entfaltet (Hinweis: Placebo-Effekt und häufig erwähnter Zuspruch von Jesus: »Dein Glaube hat dir geholfen«).

Schwieriger zu erklären waren Fälle, wo Studien ergaben, dass gemeinschaftliches Beten für Kranke, wo weder diese noch ihre Ärzte etwas davon wussten, eine bedeutend bessere und schnellere Heilung bewirkte als bei vergleichbaren Patienten, für die nicht gebetet wurde.

Eine bemerkenswerte Ausnahme gab es 2006: In einer größeren Untersuchung sollten die Betenden für »eine schnelle Genesung ohne Komplikationen« bitten. Einige hatten Schwierigkeiten damit, indem sie darauf hinwiesen, dass mit Operationen und Gesundheitskrisen mehr verbunden ist als nur die physische Wiederherstellung des Körpers. Heilung - Ganzheitlichkeit - würde auch die Psyche und den Geist umfassen und deshalb mehr Zeit dafür erfordern. Indem man um Gesundung und nicht um eine schnelle Heilung bittet, trägt man Gott eine ganzheitliche Wiederherstellung vor. Der Körper heilt eben besser, wenn auch die inneren Probleme gelöst und beseitigt sind.

Einen weiteren Hinweis auf eine subtile und spirituelle Komponente im Menschen gibt die jahrhundertealte Erfahrung von Geistwesen. Diese Erfahrung zeigt, dass wir Menschen einen Anteil an energetischer Natur (ein Energiefeld oder eine Seele) besitzen, der bestehen bleibt, auch wenn das Stoffliche stirbt. Auf den Gebieten von Psychologie und Parapsychologie haben sich umfangreiche Beweise angesammelt, die auf die Existenz der energetischen Natur des Menschen hinweisen, durch die sein Charakter, sein Wissen und seine Fertigkeiten unvermindert weiter bestehen bleiben, nachdem das Stoffliche (aus Atomen Bestehende) abgestorben und zerfallen ist. Viele entschlossene und fähige Forscher, die der Möglichkeit einer einfacheren Erklärung nachgegangen sind, mussten am Ende zugeben, dass es keine solche gibt.

Um zu verstehen, aus was dieser energetische Anteil bestehen könnte, wenden wir uns zunächst dem Beispiel der Elektrizität zu, die »geist-artige« Eigenschaften besitzt: sie ist unsichtbar, geruchs- und geschmacklos und kann unbemerkt durch Raum und Materie dringen – und ist doch zu vielen Kraftwirkungen fähig. Es gibt keinen Zweifel daran, dass es sie gibt. Elektrizität ist ein Fluss (oder eine Speicherung) von Energiepartikeln, die Elektronen genannt werden, die sehr leicht und winzig klein sind, aber wichtige Teile des Atoms darstellen. Die ebenso winzigen, jedoch größeren und schwereren Teile der Atome, nämlich Protonen und Neutronen, bestehen gleichermaßen aus Energiepartikeln.

Alle denkbaren Substanzen (einschließlich der Licht-, Wärme-, Radiowellen- und Röntgen-Strahlung) bestehen aus diesen winzigen Energiepartikeln. Sie stellen ein Gerüst der Materie dar, das grundlegender ist als das auf der Ebene der Atome. Die Energiepartikel sind die Bausteine der Atome, und die Atome die Bausteine der Moleküle, und diese wiederum die Bausteine der Zellen, die ihrerseits Pflanzen, Tiere und Menschen hervorbringen.

Die Evolutionstheorie besagt, dass die Atome ursprünglich willkürliche Kombinationen miteinander bildeten und damit viele Arten von Molekülen erzeugten, auch solche, die sich aufspalten und an andere Moleküle anlagern konnten. Dieser Mechanismus bewirkte, dass sich Materie immer wieder erneuern konnte und nicht unterging. Hochentwickelte aufspaltende Moleküle (z.B. DNA) wurden schließlich zum Kern von Zellen.

Einige Forscher sind der Ansicht, dass der größere Teil des DNA-Moleküls ein hochentwickeltes Kontrollsystem bzw. eine »Intelligenz auf Molekularebene« darstelle. Wenn eine solche Intelligenz der Materie einmal auf einer Ebene entstanden ist, dann kann sie Neues hervorbringen und gestalten und so die Entwicklung biologischen Lebens enorm beschleunigen. So entstanden weiter und weiter entwickelte Zellen, dann zunehmend verfeinerte Zellgemeinschaften von Pflanzen und Tieren, die wiederum die Entwicklung - auf der Zellebene der Tiere - eines weiteren komplexen Kontrollsystems bzw. einer höheren Intelligenz, nämlich des Gehirns, zur Folge hatten und damit letztlich die Entstehung des Menschen ermöglichten.

Wenn man so die Auffassung vertritt, dass Leben und Intelligenz aus der atomaren, molekularen und der Zellebene hervorgegangen ist, dann ist ein zwingender Schluss, dass eine solche Entwicklung von Leben und Intelligenz auch schon viel früher auf der grundlegenden Ebene der feinsten Energieteilchen erfolgte. Deshalb ist es für mich denkbar, dass eine Geistige Intelligenz aus der Ebene der Energieteilchen hervorging.

Eine solche aus der Ebene der feinen Energieteilchen hervorgegangene Geistige Intelligenz, die allem innewohnt, dessen wir uns bewusst sind, erklärt

  1. die Bildung von Atomen, deren Energie-Struktur so überaus komplex ist,
  2. den mit unermesslicher Präzision ausgewogenen »Urknall« mit der Entstehung des materiellen Universums, das so fein abgestimmt war, dass stoffliches Leben daraus hervorgehen konnte,
  3. die relativ sehr rasch erfolgende, aber überaus komplexe Entwicklung der aufspaltenden Molekülstrukturen, wobei kreative Impulse eine Intelligenz auf der Molekular- und Zellebene bewirkten.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Energieteilchen, die die Naturwissenschaftler bisher gefunden haben, womöglich aus noch kleineren Partikeln bestehen, ad infinitum, sodass gesagt werden kann, dass eine schöpferische Intelligenz zur Erreichung eines praktischen Zwecks schon immer existiert hat und für immer und immer bestehen bleiben wird.

Aus diesem Zusammenhang stehen für mich die Erkenntnisse der Physik, Astronomie und Biologie in keinem Gegensatz zu dem, was die Religionen schon immer über die geistig-schöpferische Energie gelehrt haben, die sie Gott nennen, und über die Seele und das geistige Leben. Im Gegenteil, ich finde, dass unser heutiges Wissen über die Welt diese religiösen Einsichten sogar bekräftigt. Deshalb habe ich mit einer positiven Antwort auf die anfänglich gestellte Frage, ob man angesichts der Evolutionslehre noch an einen Schöpfer glauben kann, keine Schwierigkeiten.

Des Weiteren besitze ich nun eine wesentliche Grundlage für ein Verständnis der spirituellen Seite der Prophetenschriften und bin in der Lage, mir ein praktisches Bild von Gott zu machen, einem Gott, der jeden von uns hält und führt. Wenn wir lernen, »Gott« besser zu erkennen, auf ihn zu hören und ihm zu folgen, wird die Erfahrung dieses Halts und dieser Führung verstärkt. Schriften über Spiritualität empfehlen ein solches Lernen solange wir dazu in der Lage sind, um vor allem die auf uns zukommende Übergangszeit, deren Schatten schon deutlich sichtbar werden, bewältigen zu können.

Hennig Imberger

Aus: »Templer Record«, August 2010, übersetzt von Peter Lange

»In jedem Teilchen, jedem Atom, jedem Molekül, jeder Materiezelle leben und wirken im Verborgenen die Allwissenheit des Ewigen und die Allmacht des Unendlichen.«

Teilhard de Chardin (1881-1955)

Was ist Realität?

Was ist das Reale? Woraus besteht die physikalische Welt, die uns umgibt? Die mechanistische Auffassung des Universums, wie Newtons Physik sie vorgeschlagen hat, gründet auf der Idee, dass die Realität zwei fundamentale Dinge enthält: feste Körper und leeren Raum. Im täglichen Leben funktioniert diese Auffassung fehlerlos: Die Begriffe eines leeren Raums und fester Körper sind vollkommener Teil unserer Art zu denken und die physikalische Welt zu erfassen.

Doch alles ändert sich, wenn wir das Universum unseres Lebens verlassen und in das unendlich Kleine eindringen, um nach seinen letzten Bestandteilen zu suchen. In der Folge der Experimente von Rutherford haben die Untersuchungen Heisenbergs und der Quantenphysiker gezeigt, dass die Bestandteile der Atome - Elektronen, Protonen, Neutronen sowie Dutzende anderer subnuklearer Teilchen, die später entdeckt wurden - keine der Eigenschaften aufweisen, die man mit den physikalischen Objekten verbindet. Die Elementarteilchen verhalten sich ganz einfach nicht so wie »feste« Teilchen.

Im Grunde ist nichts von dem, was wir wahrnehmen können, wirklich »real«, in dem Sinn, den wir diesem Wort gewöhnlich geben. Wir wissen heute, dass die Elementarteilchen keinerlei Existenz im strengen Sinne haben, dass sie lediglich die provisorischen Manifestationen immaterieller Felder sind. Das Universum als Maschine, das körnige, aus unbelebter Materie bestehende Universum existiert nicht. Dem Realen liegen Felder zugrunde, unter denen wir als erstes einem Urfeld begegnen, das durch einen Zustand der Supersymmetrie gekennzeichnet ist, einen Zustand absoluter Ordnung und Vollkommenheit.

Daraus lässt sich der Gedanke ableiten, dass die Existenz und die Evolution des Universums von der rigorosen Präzision abhängen, mit der die Anfangsbedingungen und die sich daraus ergebenden großen Konstanten festgelegt worden sind.

Es scheint also, dass wir in der besten aller Welten leben. Denn vom ersten Augenblick an enthält die Materie einen Funken, der es ermöglichen wird, dass in dem großen kosmischen Fresko das Leben, das Bewusstsein und schließlich wir selbst entstehen.

Aus: Jean Guitton »Gott und die Wissenschaft«, 1991

BIBELWORTE - KURZ BETRACHTET

Das Beispiel vom Pharisäer und vom Zöllner (nach Lukas 18, 9-14)

9 Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis:
10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
11 Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.
12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.
13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!
14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Zwei Menschen, die zu ganz verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen gehörten, besuchten den Tempel in Jerusalem um dort zu beten. Zöllner und Pharisäer spielten im Leben Palästinas zu Jesu Zeiten eine wichtige Rolle. Mit dem Zöllner kam jeder in Berührung. Sie waren eigentlich Zollpächter, im Vertrag mit der römischen Besatzungsmacht.

Dieses System setzte sie in die Lage, Steuern von allem einzutreiben, was sich auf dem Pachtgebiet bewegte. Diese Menschen standen in einem sehr schlechten Ansehen, hatten sie doch das Zolleintreiben bei Reich und Arm ständig zum Ziel.

Die Pharisäer waren ihrerseits eine im jüdischen Alltagsleben hervortretende Gruppe besonders frommer und gläubiger Menschen. Sie hatten sich besonders dem Gesetz Mose verpflichtet. Sie befolgten diese Gesetze und bemühten sich ein Leben zu führen, das Gott gefällt.

Wenn man sich das klarmacht, dann ist es nicht so selbstverständlich, dass Jesus in seinem Beispiel den Zöllner lobt und den Pharisäer tadelt. Er spricht sein Urteil über beide Beter. Der eine, von dem das eigentlich niemand erwartet hätte, geht als von Gott Gerechtfertigter nach Hause. Der andere, ausgerechnet der mit der vorbildlichen Frömmigkeit, ist nach Jesu Urteil nicht gottgefällig. Es geht bei dieser Erzählung also nicht um das, was sich uns als Volksmeinung eingeprägt hat: der Pharisäer wird hier eben nicht wegen Heuchelei angeklagt.

Wir müssen erkennen: Der Fromme lebt nach seinen Maßstäben. Warum soll er Gott dafür nicht danken dürfen, dass er ihn so fromm sein lässt? Und der Zöllner übt einen Beruf aus, der ihn in sehr viele menschliche Konflikte bringt. Sollte er etwa gottgefälliger sein, nur weil er sich vor Gott als Sünder bekennt?

Entscheidend ist jedoch bei dieser Geschichte, die Jesus erzählt, was bei diesen beiden Männern während des Gebetes geschieht. Beide stehen vor Gott im Gebet im Tempel. Beide verrichten ihr Gebet wie es ihnen nach Stand und Zustand möglich ist. Dann aber kommt Bewegung in die Haltung der beiden. In dem Moment, wo der Pharisäer sagt: »Und danke Herr, dass ich nicht so bin, wie dieser Zöllner da«, wird sein Gebet zur Lüge. Er beginnt vor Gott zu urteilen, zu bestimmen, was hoch und was niedrig ist. Er zeigt innerlich mit seinem Finger auf den Menschen neben sich, ohne irgendeine Kenntnis zu haben, in welchem glaubensbezogenen Zustand dieser sich gerade befindet. Für einen Moment sieht er nicht mehr auf das, was ihm von Gott geschenkt wurde, sondern er sieht plötzlich mehr darauf, wie ihn das - vermeintlich - über den Zöllner erhebt. Das Gute, für das der Pharisäer zu Beginn gedankt hat, wendet sich gegen ihn.

Der Zöllner aber erlebt seinerseits eine Selbsterkenntnis über sein Tun und Denken. Er erkennt seine aussichtslose Lage vor den Menschen und vor Gott. Er kapituliert wirklich und ehrlich und gibt sich vergebungssuchend in die gnädigen Arme Gottes. Dieser, der Zöllner, geht dann mehr gerechtfertigt in sein Haus als jener. »Denn, wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.«

Vor Gott werden wir alle gleich. Wir stehen alle auf einer gleichen Stufe, egal welchen Standes, egal welcher Konfession. Das, was uns erhöht, ist nicht unsere eigene Würde, das was wir fertig bringen, sondern Geschenk Gottes.

Wolfgang Blaich

Religion in Deutschland im Spiegel der Zahlen

Die Diskussion um die Äußerungen des Bundespräsidenten Wulff am 3. Oktober gibt Anlass, die christliche Fundierung unseres Landes kritisch zu hinterfragen (die folgenden Zahlen beruhen auf Umfragen des Instituts für Demoskopie Allensbach): Immer weniger Menschen in Deutschland sind gläubig, wobei sich Ost- und Westdeutsche aufgrund der historischen Entwicklung gravierend unterscheiden. 72 % der Westdeutschen über 16 Jahre gehören einer der christlichen Konfessionsgemeinschaften an, aber nur 25 % der Ostdeutschen. Von den ostdeutschen Protestanten sind zudem 43 % 60 Jahre und älter sind, nur 12 % sind unter 30 Jahre. 47 % der westdeutschen, aber nur 25 % der ostdeutschen Bevölkerung stufen sich als religiös ein. 53 % der westdeutschen, aber nur 29 % der ostdeutschen Bevölkerung geben an, dass christliche Wertvorstellungen für sie persönlich wichtig bis sehr wichtig sind. Dem religiös überwiegend indifferenten Osten steht jedoch keine vitale religiöse Kultur im Westen gegenüber, wie man am Rückgang der Kirchenmitglieder und der Gottesdienstbesucher auch im Westen sieht.

Das Vertrauen, von den christlichen Kirchen Orientierung zu erhalten, ist ebenfalls stark gesunken, egal, ob es um die eigenen Probleme oder um Sinnfragen geht. Nur noch ein Drittel der Westdeutschen ist überzeugt, dass die Kirchen heute noch wichtig sind, 46 % halten sie für überholt. Kirchenaustritte haben den Protestantismus bisher übrigens härter getroffen als die katholische Kirche: Von den heute Konfessionslosen, die einmal Mitglied einer Kirche waren, ist jeder Dritte aus der katholischen Kirche ausgetreten, aber mehr als 60 % aus der evangelischen Kirche. Die beiden großen Volkskirchen werden also schwächer, wobei kirchliche und religiöse Bindungen zunehmend Merkmale einer Alterskultur sind. So erwartet zwar die Mehrheit der über 60-Jährigen von den Kirchen Orientierung und Sinnstiftung, aber nur ein Viertel der unter 30-Jährigen. Dass Religion in ihrem Leben eine große Rolle spiele, beansprucht die Hälfte der älteren Generation für sich, aber nur 17 % der unter 30-Jährigen. Dies liegt auch an der abnehmenden religiösen Erziehung. Von den über 60-Jährigen sind zwei Drittel in einem religiös geprägten Elternhaus aufgewachsen, von den unter 30-Jährigen aber nur noch knapp jeder Dritte.

Das hat nach Meinung von Experten Auswirkungen auf die Gesellschaft als Ganzes. Die religiös orientierte jüngere Bevölkerung unterscheidet sich erheblich von den religiös Gleichgültigen durch stärkere Familienorientierung, überdurchschnittliches soziales Verantwortungsbewusstsein, Aufgeschlossenheit, Bildungsorientierung und eine höhere Bereitschaft, sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinanderzusetzen. So finden es beispielsweise 47 % der religiösen Jüngeren wichtig, Verantwortung für andere zu übernehmen; dies reklamieren dagegen nur 26 % der nicht religiösen Altersgenossen für sich. Die Zukunft wird zeigen, ob eine zunehmend säkulare Gesellschaft solche Haltungen in gleicher Weise befördern kann.

Jörg Klingbeil

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