Treffpunkt - Gemeinde aktuell

Jahresrückblick 2009

Israel-Gruppenreise 2009 (18. April bis 2. Mai)

Für unsere Familie begannen die Vorbereitungen auf diese Reise schon vor zwei Jahren, als wir die Möglichkeit unserer Teilnahme an einer Reise (mit Kindern) mit Karin Klingbeil und Peter Lange besprachen. Das waren aber nur die praktischen Dinge, die wir uns überlegen mussten.  Israel-Gruppenreise 2009Die wahre Vorbereitung findet bereits seit 40 Jahren statt, wenn wir immer wieder von Großeltern, Eltern, Verwandten und Freunden aus dem Templerkreis die vielen Geschichten und Anekdoten (oft mit Bildern ergänzt) hören durften (mussten?). Als Kinder wurden uns diese Erzählungen oft zur Qual, aber als wir älter wurden, fanden wir die Geschichten immer interessanter, und langsam regten sich Fragen. Wie oft blieben wir vor dem berühmten Haifa Bild von Jakob Schumacher im Flur der Großeltern stehen und sahen uns die winzigen Häusern an? Sah wirklich der Geburtsort meines Vaters so aus? Und wie oft haben wir das Gemälde vom Straßenkreuz von Wilhelma betrachtet und versucht, uns das tägliche Leben in enger Gemeinschaft vorzustellen!

Und plötzlich standen wir dann in der Halle des Flughafens in Tel-Aviv und wurden von Ejal (Jakob) Eisler empfangen; jeder wurde wie ein alter Freund begrüsst! Wir stiegen in den Bus ein ... und los ging's! Es folgten vierzehn volle, müde machende, reizende, erlebnisreiche und rührende Tage, die die Teilnehmer nie vergessen werden. Oft klingelte der Wecker schon um 6 Uhr, aber das störte nicht, denn wir wurden sehr lieb und fürsorglich von Karin geleitet;  Israel-Gruppenreise 2009sie machte trotz viel Stress immer nur ein strahlendes Gesicht. Und dazu gab es Jakobs umfangreiche und lebhafte historische Begleitung - was er alles weiß und erzählen kann! Und in solcher Art, dass es uns packte und mitriss. Obwohl wir müde waren, wollten wir nicht weg bleiben, um auszuruhen, denn dann hätten wir vielleicht etwas verpasst.

Schon am ersten Abend, gleich nach der Ankunft, begann Jakob zu erzählen, und so ging es über Jaffa, Sarona und Walhalla. Wir bekamen alle Angst, als wir das Imbergersche Haus sahen - würden alle Templer Häuser so baufällig aussehen? Glücklicherweise nicht! In Sarona durfte die ganze Gruppe (30 Personen) aufs Gelände der IDF, um die Häuser dort aus nächster Nähe zu betrachten - Inky Arndt (Graze) konnte vor ihrem Großelternhaus fotografiert werden (ein Highlight schon am ersten Tag) und Reinhold Orth wurde sogar erlaubt, in sein Elternhaus zu gehen!  Israel-Gruppenreise 2009(Wir wurden natürlich überallhin von einem Team der IDF begleitet.) Gegenüber, im neu angelegten Parkgelände, wurde Karin eine einstige Zaunspitze vom Zaun zum Tennisplatz überreicht. Einige der Häuser werden wieder liebevoll restauriert, wie zum Beispiel der Wagner Compound; auch das Wieland-Gelände mit Haus und Fabrik neben dem schon restaurierten Jaffa-Bahnhof.

Dann fuhren wir nach Haifa, über die »7 Mühlen« (jetzt hörte man öfters "Beilharz" statt "Wieland") und dem Lager bei Atlit (wo die Templer, die während des 2. Weltkrieges ausgetauscht wurden, vor ihrer Reise eingesperrt waren). Heide Seidlitz erinnerte sich noch gut an dieses unangenehme Erlebnis! Endlich erreichten wir Haifa; die "gelobte Kolonie" - mindestens für Familie Ruff! Zuerst begaben wir uns ins Kellerhaus, wo wir einen Vortrag von ... Jakob Eisler hörten (keine neue Erfahrung für uns - und besonders nett war es, seine Eltern Mira und Benny kennenzulernen, die wir danach öfters sehen und Miras leckeres Essen kosten durften). Unser Programm hier: Koloniestraße, Gemeinde- und Schulhaus (mit Klo), Friedhof, Karmel und Baha'i Garten, Schwimmen im Mittelmeer, Kaiserdenkmal, Universität Haifa, Betlehem (Galiläa) und Waldheim (sogar an der Straße so beschildert). Noch mehr gehörte zum Programm, aber für uns war es am Schönsten (wenn man das überhaupt sagen kann!),  Israel-Gruppenreise 2009mit dem Kolonieplan in der Hand die Häuser von Familie und Verwandten aufzusuchen - nicht mehr so einfach, wie auf Schumachers Lithographie von 1877!

Über Akko und Nazareth ging es nach Tabgha am See Genezareth: Schwimmen, die Kirche der Seligpreisungen, die Brotvermehrungskirche (laut Jakob eher Touristenvermehrung!), Golan-Höhen, Jordanquellen usw. Die Unterkunft im Pilgerhaus hier war hervorragend!

Die letzte lange Fahrt brachte uns über Wilhelma (das Bassin steht auch noch, aber leider die vielen Euklayptusbäume aus Mutters Geschichten nicht mehr) und Bir Salem nach Jerusalem. Wir wurden überaus herzlich von den Borromäer-Schwestern begrüßt und beherbergt - bei unserer Abreise wollten sie sogar dem Bus den Weg versperren! Zum Programm hier gehörten das Tote Meer und Masada, die Altstadt mit Suk, das Syrische Waisenhaus, die Auguste-Viktoria-Stiftung auf dem Ölberg, und auch Betlehem in der Westbank. Am schönsten war aber, wie immer, der Rundgang durch die Kolonie und der Besuch im Gemeindehaus. Hier durften unsere beiden Kinder sogar die Glocke läuten und besonders aufregend waren die ganzen Namen, die die Jungen der Kolonie ins Holz der Orgel geritzt oder geschrieben haben - Herbert Steller fand seine eigene Unterschrift!

Wenn dieser Bericht etwas oberflächlich klingt, muss ich mich entschuldigen - was wir erlebt haben, würde mehrere Bücher füllen! Diejenigen, die schon an solch einer Reise teilgenommen haben, verstehen das bestimmt. Mir fehlen aber auch manchmal die passenden Worte, nicht nur wegen meiner geringen Deutschkenntnisse, sondern eher, Israel-Gruppenreise 2009 weil ich noch viel Zeit brauche, über diese zwei Wochen wieder nachzudenken und sie zu "verdauen"! Unsere Reiseleiter haben es uns ermöglicht, unserer eigenen Geschichte ein bisschen (oder eigentlich sehr viel) näher zu kommen und sie besser zu verstehen. Karins Andachten auf den Friedhöfen von Haifa und Jerusalem machten uns klar, dass wir nicht nur Häuser besichtigten, sondern Heime, wo Menschen, Templer - unsere Vorfahren - ihr Leben führten und ihren Glauben ausübten; so manch einer hatte Tränen in den Augen. Und wir haben gelacht, als schon wieder Wieland oder Beilharz oder Imberger (oder auch Graze und Ruff) erwähnt wurden - und doch waren wir auch stolz auf diese Namen, auf unsere Vorfahren - hier haben sie in vorbildlichen, christlichen Gemeinden (ob Templer oder Kirchler) gelebt! Schön ist die Anerkennung, die die jetzige Bevölkerung des Landes ihnen schenkt. Dank des umfangreichen Programms (und Jakobs Wissen) haben wir nicht nur Templerstätten, sondern auch jüdische Sehenswürdigkeiten besuchen und bewundern dürfen, dazu viele Naturschätze in Nationalparks. Mein Tagebuch habe ich vollgeschrieben, und es bleiben viele Eindrücke: Olivenbäume, Eukalyptusbäume, trockene Erde mit vielen Steinen, Zitrusbäume und Früchte aller Arten (Granatäpfel!), schwerbewaffnete Soldaten, viele Katzen (alle von Anja fotografiert!), und das herrliche Wetter und leckeres Essen.

Auch diese Reise gehört nun für uns zur Templer-Geschichte, zur Vergangenheit, aber "jede Zukunft braucht eine Herkunft"! Es rauschen in meinem Kopf gerade mehr Fragen als Antworten - ich bzw. wir müssen uns nun zuhause mit Eltern und Unterlagen, Büchern und Photos hinsetzen und die ganze Reise noch einmal durchleben und darüber nachdenken. Die Reise war ein einmaliges Erlebnis, aber sie wird für uns ganz bestimmt nicht der einzige Besuch im Heiligen Land bleiben.

Harald Ruff

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