Treffpunkt - Gemeinde aktuell
Rückspiegel

Buchvorstellung am 23. Juni

Wie ausführlich in der »Warte« angekündigt, fand am Freitag, 23. Juni, die Buchvorstellung der Dokumentation der Templerfriedhöfe im Rahmen einer Tagung statt. Um die 100 Teilnehmende waren gekommen, um die vier Vorträge zu hören und einen Blick in das doppelbändige Werk zu werfen.

Buchvorstellung (Foto: Peer Gatter)
Foto: Peer Gatter

Um 15 Uhr begann die Veranstaltung mit diver­sen Grußworten; der ehemalige Leiter des Landes­kirchlichen Archivs, aktuell Vorsitzender des Vereins für württembergische Kirchengeschichte, in deren Schriftenreihe die Dokumentation erschienen ist, Prof. Dr. Norbert Haag, begrüßte die Anwesenden und strich heraus, dass die Dokumentation, die eine unfassbare Fülle an Informationen enthält, in er­staunlich kurzer Zeit fertig gestellt worden sei. Inso­fern habe die Corona-Zeit auch mal etwas Gutes mit sich gebracht.

Danach bedankte sich der Leiter des Landes­kirchlichen Archivs, Dr. Claudius Kienzle, mit Blu­mensträußen bei diversen Personen, die einen erheblichen Beitrag geleistet haben, wie z.B. durch genealogische Nachforschungen in Kirchenregistern und besonders auch Korrekturle­sung. Außerdem verlas er das Grußwort von Dr. Omri Shalmon, CEO des Erhaltungsrats für Welterbestätten in Israel, der nicht da sein konnte, aber seine Anwesenheit bei der Buchvor­stellung in Israel zugesagt hat.

Den ersten Vortrag hielt Prof. Dr. Goren, ein Schüler Alex Carmels von der Tel-Hai-Hoch­schule in Israel, über »Die ersten Siedlungsversuche der deutschen Templer in der Jesreel-Ebene bei Nazareth« und erinnerte damit einmal mehr an die schweren Anfänge der Besied­lung durch die Templer, bei denen die meisten der Malaria erlagen. Er zeigte die Landschaft, wie sie sich heute darbietet und nichts mehr von diesen ersten Ansiedlungsversuchen ahnen lässt, und in diesem Zusammenhang auch den Gedenkstein für die Toten der ersten Ansiedler in Chnefis, Medjedel und Samunieh, der heute in Haifa auf dem Friedhof steht. Mit einem Augenzwinkern ließ er wissen, dass er es gewesen war, der den ältesten Grabstein auf dem Haifaner Friedhof, den von Philipp Hochstätter - der am längsten in Samunieh ausgeharrt hatte - unter einem Busch gefunden hatte.

Mitautor Ulrich Gräf, Oberbaudirektor im Evangelischen Oberkirchenrat Stuttgart i.R., der al­le Grabsteine fotografiert hat, ging anschließend in seinem Vortrag »Verkündete Frömmigkeit. Grabsteine im Wandel der Zeit und deren Inschriften« auf die Erscheinungsformen der Grab­steine ein. Da es bei den Templern gute Steinmetze gab, finden sich vielfältige Formen und gute Bearbeitungen. Teilweise haben sie zeitgebundene Ausprägungen und sind zum aller­größten Teil mit biblischen Zitaten versehen - die mit vielen Bildern versehenen Ausführungen sind auch in der Dokumentation zu finden.

Nach einer Kaffeepause ging es mit dem - wie immer äußerst unterhaltsamen - Vortrag von Jakob Eisler über »Die Entstehung der Templerfriedhöfe im Nahen Osten« weiter. Er be­schrieb, wie es zu den beiden Friedhöfen von Haifa und Jerusalem gekommen war, wie bei jeder Siedlung auch ein Friedhof dazukam und dass, da Templer auch an etlichen anderen Orten (Nazareth, Tiberias, außerdem im Libanon - Beirut und Brumana) lebten, dort auch Gräber existieren. Diese und alle anderen, die im Osmanischen Reich ausfindig zu machen waren, finden Erwähnung in der Dokumentation. Er erklärte an einigen Beispielen, wie das Buch aufgebaut ist, dass außer dem Bild des Grabsteins Informationen zur Person, oft zur ganzen Familie aufgeführt und etliche Bilder aus dem Umfeld der Person zu sehen sind. Be­züglich der Bilder dankte er besonders Wolfgang Struve, der durch seine ‚magische‘ Bildbe­arbeitung viele der alten Bilder wieder ansehnlich gemacht hat und sogar Risse verschwinden ließ. Natürlich helfen diverse Indizes dabei, Personen, Lage der Grabsteine und Herkunftsorte aufzufinden.

Den Abschluss der Vorträge bildete der von Jörg Klingbeil über »Die Erhaltung der zwei Templerfriedhöfe in Israel heute«. Er stellte die Chronologie der Ereignisse dar, nachdem die Templer das Land verlassen hatten, die politische Entwicklung, die schließlich zur Entschädi­gungszahlung Israels an die Tempelgesellschaft führte, und Herausforderungen und Probleme, die sich den Templern bis heute bei dem Erhalt der Friedhöfe stellen und die hohe Summen verschlingen (deren größten Teil die TSA trägt).

Nach einer Aussprache und dem Dank an alle Ausführenden lud das Landeskirchliche Ar­chiv noch zu einem Empfang ein. Bei ganz besonderen und vielfältigen Appetithappen und Er­frischungsgetränken konnte man sich unterhalten und die sehr gelungene Veranstaltung aus­klingen lassen.

Die Tempelgesellschaft ist dem Landeskirchlichen Archiv und dem Verein für württembergi­sche Kichengeschichhte außerordentlich dankbar dafür, dass sie diese Dokumentation ermög­licht haben.

Buchinformation

Jakob Eisler/Ulrich Gräf, Die historischen Friedhöfe der Templer im Nahen Osten (1869-1948), Band 1: Templerfriedhöfe im Süden, Band 2: Templerfriedhöfe im Norden, Stuttgart 2023. 2 Bände im Schuber, 780 Seiten. 79,00 EUR.

ISBN 978-3-944051-23-9 (Band 1), ISBN 978-3-944051-24-6 (Band 2)

Karin Klingbeil

Aktuell
Veranstaltungen im März
Regionaltreffen des Bundes für Freies Christentum
»Judenhass« - Michel Friedman stellt sein neues Buch vor
Religion im Gespräch: Islam und Christentum
Gemeindefreizeit